Rodungen im Hardwald vor dem Zweiten Weltkrieg

Gebiete
40 Aufrufe
Kläranlage Hard Richtung Südosten. Im Hintergrund der Hardwald
Kläranlage Hard Richtung Südosten. Im Hintergrund der Hardwald

Aus «gesundheitspolizeilichen Gründen» hat der Kanton Zürich die Stadt Winterthur kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verpflichtet, eine Kläranlage zu bauen. Für die Projektierung dieser Anlage hatte der Stadtrat den Standort «Im Bruni» ausgesucht; unmittelbar beim tiefsten Punkt der Stadt auf rund 400 Metern über Meer. Bloss: Dort stand damals der nordwestliche Teil des Hardwaldes (heute: Hardholz).

Weil das eingereiche Projekt von der kantonalen Baudirektion bereits bewilligt wurde, blieb dem Regierungsrat an seiner Sitzung vom 5. Januar 1939 «aus Rücksicht auf das grosse öffentliche Interesse an dieser Anlage» nichts anderes übrig, als auch die Rodung des Waldstücks zu bewilligen. Für die Kläranlage, die Zufahrtsstrasse und die Hauptleitung wurden rund 113 Aren oder 11’300 Quadratmeter Wald geopfert.

Die rote Fläche markiert den Hardwald Anfang des 20. Jahrhunderts (© Swisstopo)
Die rote Fläche markiert den Hardwald Anfang des 20. Jahrhunderts (© Swisstopo)

Im Gegenzug hat sich die Stadt verpflichtet, unterhalb der Kläranlage ein Gebiet von etwa 180 Aren aufzuforsten. Dieses Gebiet war bis dahin nur mit «lückigem, niederem und geringwertigem Gebüsch bestockt». Die Stadt musste vorgängig zahlreiche Wasserlöcher auffüllen und das Gebiet im Laufe der nachfolgenden Jahre «in geeigneter Weise mit Waldpflanzen zu übersetzen und so mit der Zeit einen geordneten und gepflegten, ertragreichen Waldbestand heranziehen.»

Vertreter des kantonalen Oberforstamtes hatten das Rodungs- und das Ersatzsaufforstungsgebiet besichtigt und «sich von der Zweckmässigkeit der städtischen Vorlage überzeugt». Der Regierungsrat kam deshalb Anfang 1939 zum Schluss: «Die vorgesehene Anpflanzung und Aufziehung eines pfleglichen Waldbestandes an Stelle des heute vorhandenen niederen, ertragslosen Gebüsches kann nur begrüsst werden.»

Die Ersatzaufforstungen musste die Stadt bis Neujahr 1945 abgeschlossen haben.

Kläranlage Hard Richtung Südwesten. Links der Hardwald, im Hintergrund der Beerenberg.
Kläranlage Hard Richtung Südwesten. Links der Hardwald, im Hintergrund der Beerenberg.
Schlagwörter:

Das könnte Sie auch interessieren

Das Quartier Hardau in Wülflingen vom Hardwald aus gesehen: Im hinteren Teil dieses Quartiers befand sich das Zigeunerhölzli
Gebiete

Zigeunerhölzli musste Kiesgrube weichen

Anfang März 1933 erhielt die Genossenschaft für die Verbesserung der Flureinteilung in Wülflingen vom Regierungsrat die Bewilligung, das 38 Are kleine «Zigeunerhölzli» zu roden. Das Waldstück gehörte bis dahin zwar noch der Stadt Winterthur, aber diese überliess das Grundstück nach der Waldrodung der Genossenschaft, um dort Kies auszubeuten.

Urnenhain in Blickrichtung Osten: Im Hintergrund der Lindbergwald
Gebiete

Urnenhain statt Stadtwald im Eichholtern

Anfang der 1920-er Jahre lebten in Winterthur bereits rund 50’000 Menschen. Der Platz auf dem Friedhof Rosenberg wurde langsam knapp. Deshalb bewilligte der Gemeinderat im Juni 1924 einen Kredit von 88’000 Franken für die «Verwirklichung des Projekts eines Urnenhains». Nachdem die Stadt verschiedene Varianten geprüft hatte, «ergab sich als zweckmässigste und idealste Lösung die Erstellung eines solchen im Stadtwaldgebiet Lindberg, anschliessend an den bisherigen Friedhof Rosenberg». Die entsprechenden Arbeiten sollten im nachfolgenden Winter «zum Teil als Notstandswerk zur Ausführung kommen.»

Ehemaliges Waldgebiet zwischen Töss (links), Eisenbahnlinie und Bannhaldenstrasse (rechts)
Gebiete

Waldrodungen entlang der Töss

Als die Schweizerischen Bundesbahnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Güterbahnhof Winterthur erweiteren, erlaubte der Stadtrat den SBB, das Aushubmaterial etwas südlich, zwischen der Bannhaldenstrasse, der Eisenbahnlinie und der Töss, abzulagern. Auf dem knapp 1,9 Hektare grossen Grundstück stand damals ein Wald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü