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Urnenhain statt Stadtwald im Eichholtern

Urnenhain in Blickrichtung Osten: Im Hintergrund der Lindbergwald

Anfang der 1920-er Jahre lebten in Winterthur bereits rund 50’000 Menschen. Der Platz auf dem Friedhof Rosenberg wurde langsam knapp. Deshalb bewilligte der Gemeinderat im Juni 1924 einen Kredit von 88’000 Franken für die «Verwirklichung des Projekts eines Urnenhains». Nachdem die Stadt verschiedene Varianten geprüft hatte, «ergab sich als zweckmässigste und idealste Lösung die Erstellung eines solchen im Stadtwaldgebiet Lindberg, anschliessend an den bisherigen Friedhof Rosenberg». Die entsprechenden Arbeiten sollten im nachfolgenden Winter «zum Teil als Notstandswerk zur Ausführung kommen.»

Zur damaligen Zeit stand am Ort des künftigen Urnenhains im Gebiet Eichholtern ein gemischter Hochwald, dessen älteste Bäume etwa um 1800 gepflanzt wurden. Zwar konstatierte das kantonale Oberforstamt, dass «grundsätzlich Waldrodungen in einem geschlossenen Hochwaldkomplex unerwünscht» seien. Aber aufgrund des öffentlichen Zwecks, der mit dem Projekt in «idealster Weise» erreicht werden konnte, sprach sich das Oberforstamt für eine Rodung des Gebietes westlich der Walcheweiher aus.

Weil auch nach Ansicht des Stadtforstamtes weder forstwirtschaftliche noch forstästhetische Gründe gegen das Projekt sprachen, bewilligte der Regierungsrat Mitte November 1924 für die Erstellung des Urnenhains die Rodung von 41 Aren. Er tat dies, obwohl die Stadt zu diesem Zeitpunkt kein Angebot für die gesetzlich notwendigen Ersatzaufforstungen unterbreiten konnte. Aber aufgrund der Zusicherung der Stadtforstamtes, «künftig jede Gelegenheit zur Vergrösserung des Waldareals, namentlich durch Aufforstung offenen Landes, benutzen zu wollen» sah er diesmal, ausdrücklich ausnahmsweise von Ersatzverpflichtung ab. Immerhin verwies auch das Oberforstamt auf die «grosszügige Forstpolitik Winterthurs, die bisher stets auf die Mehrung des städtischen Waldbesitzes Bedacht» habe. Es sei nach der erwähnten «Zusicherung des Stadtforstamtes nicht daran zu zweifeln, dass diese Politik auch künftig zur Auswirkung gelangen werde.» Und schliesslich: «So dürfe, für diesmal noch, von einer formellen Ersatzauflage billigerweise Umgang genommen werden.»

Urnenhain in Blickrichtung Südosten: Im Hintergrund der Lindbergwald mit den Mammutbäumen (Bildmitte) bei den Walcheweihern
Urnenhain in Blickrichtung Südosten: Im Hintergrund der Lindbergwald mit den Mammutbäumen (Bildmitte) bei den Walcheweihern

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Michael Wiesner ist Biologe. Er hat an der ETH Zürich Naturwissenschaften studiert und in der Fachrichtung Geobotanik bei Prof. Dr. Elias Landolt abgeschlossen. Seine Beiträge finden sich auch auf Facebook, auf Twitter, auf Flickr, auf Vimeo und auf Youtube.

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