Pflanzen

Bäume und Sträucher unserer Wälder

Kennen Sie die fünf häufigsten Nadelhölzer unserer Wälder?

Fichtenwald im Gebiet Andelbach (Foto: Michael Wiesner)

1. Rottanne (Fichte)

Grosser, bis 40 m (selten 60 m) hoher Baum; tellerförmige, weitreichende Bewurzelung; häufigste und wirtschaftlich wichtigste Baumart; ist eigentlich ein Gebirgsbaum, der im Mittelland überall angepflanzt wird; wird im Kulturwald 90–120 Jahre, sonst 200–400 Jahre alt; gefährdet durch Sturmwind, Borkenkäfer und Rotfäulepilz.

Samen geflügelt, tropfenförmig

Teil Merkmal
Rinde rotbraun, mit muldenförmig abblätternden Borkenteilen
Nadeln vierkantig, 1–2 cm lang, spitz, steif, glänzend grün, rings um den Zweig
Blüten einhäusig; männliche Blütenkätzchen erdbeerförmig, zuerst rot, später gelb; weibliche Blütenzäpfchen aufrecht, purpurrot. Die Rottanne blüht normalerweise (ohne Stress) nur alle 3–4 Jahre im April-Juni.
Zapfen bis 15 cm lang, anfangs aufrecht, später hängend, als Ganzes abfallend;
Holz gelblich-weiss, leicht, weich; wird verwendet für Bauholz, Möbel, Schindeln, Musikinstrumente, Spanplatten, Holzwolle, Zellulose

2. Weisstanne

Grosser, bis 40 m (selten 55 m) hoher Baum mit ziemlich tiefen Wurzeln; weniger verbreitet und viel anspruchsvoller als die Rottanne; wird im Kulturwald ca. 150 Jahre, sonst bis 600 Jahre alt; gefährdet durch Trieblaus, Borkenkäfer, Mistel und Tannenkrebs (Hexenbesen = krankhafte Veränderung des Wipfels)

Teil Merkmal
Rinde anfangs glatt und braun, später weissgrau; in kleinen, eckigen Schuppen abblätternd; mit Harzbeulen
Nadeln flach, 2–3 cm lang, Oberseite glänzend dunkelgrün, Unterseite mit 2 bläulich-weissen Längsstreifen, nicht stechend; in 2 Zeilen
Blüten einhäusig; männliche Blütenkätzchen gelb, dicht gedrängt, jedes in der Achsel einer Nadel; weibliche Blütenzäpfchen bleich grün, aufrecht, fast nur in der Gipfelregion; blüht alle 2–6 Jahre (je nach Klima) im April-Juni
Zapfen bis 12 cm lang, dauernd aufrecht (wie Kerzen), zerfällt sofort nach der Reife im Oktober
Holz gelblichweiss bis rötlichweiss, leicht, verhältnismässig weich, harzfrei; Verwendung wie Rottannenholz, aber weniger geschätzt

3. Lärche

Grosser, oft 30–40 m (selten 50 m) hoher Baum; tiefe, stark verzweigte Wurzeln; ist ein Gebirgsbaum, bis 2400 m vorkommend; vollendet Höhenwuchs je nach Klima und Höhenlage mit 60–150 Jahren, erreicht aber ein Alter von über 600 Jahren; wird im Engadin und im Wallis alle 6–8 Jahre vom Grauen Lärchenwickler befallen.

sehr wertvoll für Möbel, Innenausbau und Schiffsbau, auch als Bauholz verwendet

Teil Merkmal
Rinde rotbraun, anfangs glatt, später tiefrissige, schuppige Borke
Nadeln zu 20–30 in Büscheln, 2–5 cm lang, flach, weich, dünn, nicht stechend, hellgrün, im Herbst goldgelb abfallend
Blüten einhäusig; männliche Blütenkätzchen rötlichgelb, eiförmig-kugelig; weibliche Blütenzäpfchen aufrecht, purpurrot. Die Lärche blüht je nach Höhenlage alle 3–10 Jahre im April-Juni.
Zapfen klein, bis 4 cm lang, eiförmig, aufrecht, anfangs hellbraun, später grau, mehrere Jahre am Baum bleibend
Holz rötlichbraun (im Kern), zäh, dauerhaft, wetterfest, harzreich;

4. Föhre (Kiefer)

Grosser Baum, wird mit 80 Jahren 20–25 m hoch, erreicht unter günstigsten Bedingungen 600 Jahre und 48 m; tiefe Pfahlwurzel mit zahlreichen teils oberflächlichen, teils absteigenden Seitenwurzeln

Teil Merkmal
Rinde rotbraun; anfangs glatt, später dicke Plattenborken
Nadeln zu 2 in Büscheln, 4–6 cm lang, dünn, spitz, steif, gedreht; Aussenseite dunkelgrün, Innenseite graugrün
Blüten einhäusig; männliche Blütenkätzchen eiförmig, gelb, gehäuft am Grunde diesjähriger Triebe; weibliche Blütenzäpfchen gestielt, rötlich, meist paarweise an der Spitze diesjähriger Langtriebe; blüht alle 2–6 Jahre
Zapfen bis 7 cm lang, kurz gestielt, kegelförmig; anfangs aufrecht, später hängend; Samen im zweiten Herbst reifend
Holz rötlich-gelb (im Kern); härter und schwerer als Rottanne, harzreich; verwendet für Bauholz, Fensterrahmen, Möbel, Holzwolle, Rebstecken

5. Eibe

Kleiner, bis 15 m hoher Baum; oft auch strauchartig; Tiefwurzler; wächst ausserordentlich langsam; kann über 1000 Jahre alt werden; ausgesprochene Schattenholzart auf feuchtem, vorzugsweise kalkhaltigem Boden

Teil Merkmal
Rinde anfangs rotbraun, später graubraun, in dünnen Platten abblätternd
Nadeln bis 3,5 cm lang, weich, flach, spitz, jedoch nicht stechend; Oberseite dunkelgrün glänzend, Unterseite hellgrün matt; für Pferde sehr giftig
Blüten zweihäusig; männliche Bäume mit zahlreichen gelblichen, schuppigen, kugeligen Kätzchen; weibliche Bäume mit sehr kleinen, grünen, laubknospenähnlichen Blüten
Früchte beerenartig, mit hartschaligem, giftigem Samen, der von einem roten, fleischigen Samenmantel umgeben ist («Schnuderbeeri»)
Holz rot bis rotbraun (im Kern), schwer, zäh, hart, elastisch, dauerhaft, harzfrei; verwendet in der Drechslerei und Schnitzerei, u.a. für Instrumente, Pfeilbögen, Armbrüste
Weibliche Eibe

Die fünf häufigsten Nadelhölzer unserer Wälder

Die fünf häufigsten Nadelhölzer unserer Wälder; 1) Rottanne 2) Weisstanne 3) Lärche 4) Föhre 5) Eibe

Vergleichende Darstellung von Rottanne und Weisstanne

Rottanne (links) und Weisstanne (rechts)

 

Rottanne oder Fichte Weisstanne
Höhe 30–50 m bis 55 m
Rinde rotbraun, mit aufgewölbten Borkenteilchen weissgrau, mit Harzbeulen
Nadeln vierkantig, 1–2 cm lang, spitz, steif, glänzend grün, rings um die Zweigachse angeordnet flach, 2–3 cm lang, Oberseite glänzend, Unterseite mit 2 weissen Längsstreifen; stechen nicht
Blüten männliche und weibliche Blüten voneinander getrennt, aber am gleichen Baum und gleichen Ast; ± Blüten: gelbe Kätzchen ∞ Blüten: purpurrote Zäpfchen männliche und weibliche Blüten voneinander getrennt, aber am gleichen Baum, meist nicht am gleichen Zweig; sonst ähnlich Rottanne
Zapfen bis 15 cm lang, nur anfangs auf-recht, später hängend; fällt als Ganzes ab; Samen geflügelt, tropfenförmig bis 12 cm lang, immer aufrecht; zerfällt nach der Reife, Zapfen spindel bleibt auf dem Zweig stehen; Samen geflügelt, drei kantig
Holz gelblich-weiss, leicht, weich gelblich-weiss bis rötlich-weiss, leicht, ziemlich weich
Weiteres wichtigster & häufigster Baum, als Gebirgsbaum im Mittelland überall angepflanzt; gefährdet durch Sturmwind (Flachwurzler), Rotfäulepilz und Borkenkäfer gefährdet durch Trieblaus, Borkenkäfer, Mistel und Tannen krebs (→ an der Baumspitze bildet sich ein Hexenbesen)

Häufigere Laubbäume unserer Wälder

Winterliche Eichen im Waldgebiet Andelbach (Foto: Michael Wiesner)
Baumart Blätter Blüten Früchte
1 Trauben- od. Wintereiche regelm. gelappt, gestielt ± Kätzchen
∞ knopfartig
kugelige Eicheln, ungestielte Becher
Stiel- oder Sommereiche unregelm. gelappt, ungestielt wie Wintereiche lang längl. Eicheln in gestielten Bechern
2 Rotbuche eiförmig, Blattrand gewellt kätzchenartig scharf dreikantig, in 4-lappigem Becher
3 Bergahorn spitze Buchten, Lappen zugespitzt lange, traubenartige Blütenstände Flügel bilden spitzen Winkel
4 Feldahorn stumpfe Buchten und Lappen ähnlich wie Bergahorn Flügel bilden gestreckten Winkel
5 Spitzahorn stumpfe Buchten, Lappen mit Spitzen ähnlich wie Bergahorn Flügel bilden stumpfen Winkel
6 Birke dreieckig, doppelt gesägt ± und ∞ Kätzchen kleine Nüsschen in walzenförmigen Zapfen
7 Hagebuche eiförmig, doppelt gesägt, plissiert ± und ∞ Kätzchen Nüsschen in dreilappiger Hülle
8 Schwarzpappel rundlich herzförmig ± und ∞ pelzige Kätzchen kapselförmig, Samen mit Haarschaft
9 Weide (über 30 Arten) eiförmig bis lanzettlich zweihäusig Kätzchen aufspringende Kapseln mit kleinen Samen
10 Bergulme breit, am Grund asymmetrisch rotviolett in glockiger Blütenhülle Büschel von eiförmigen Flügelfrüchten
11 Esche unpaarig gefiedert, Blattrand gesägt büschelförmige Blütenstände Nüsschen mit zungenförmigem Flügel

Neben diesen 11 Arten finden wir in unseren Wäldern noch folgende Bäume relativ häufig:

  • Winter- und Sommerlinde
  • Waldkirsche
  • Zitterpappel (= Espe oder Aspe)
  • Schwarz- und Weisserle
  • Robinie (= falsche Akazie)

Häufigere Laubbäume unserer Wälder

1) Traubeneiche 2) Rotbuche 3) Bergahorn 4) Feldahorn 5) Spitzahorn 6) Birke 7) Hagebuche 8) Schwarzpappel 9) Weide 10) Bergulme 11) Esche

Vergleichende Darstellung von Rotbuche und Hagebuche

 

Rotbuche (links) und Hagebuche (rechts)
Rotbuche Hagebuche
Höhe bis 45 m 6–15 m, selten bis 25 m
Form kräftiger Baum mit grosser ausladender Krone kleiner Baum, oft eher nur buschartig
Stamm rund, ohne Längswülste kaum rund, mit Längswülsten
Rinde glatt, grau, selten rissig grau, glatt, fleckig
Blätter breit, mit welligem Rand, Oberseite dunkelgrün und glänzend, Unterseite matt oval, zugespitzt, doppelt gesägt, nicht glänzend, teilweise behaart
Blüten ±: kugelige, hängende Kätzchen∞: kurz gestielt und und aufrecht ±: schlaff herabhängende Kätzchen∞: unscheinbar mit deutlich roten Narben
Früchte vierklappiger Becher mit dreikantiger Frucht harte, gerippte Nüsschen mit einem Samen und dreiteiligem Flügel

Die beiden weniger häufigen Ahornarten

Feldahorn (links) und Spitzahorn (rechts)
Feldahorn Spitzahorn
Vorkommen Hügelstufe, in Eichen-Hagebuchenwäldern, gewisse Bedeutung als Zierbaum ähnlich Bergahorn, weniger hoch hinauf steigend
Alter etwa 100 Jahre um 150 Jahre
Höhe meist kaum 10 m selten über 20 m
Rinde zuerst glatt, später netzartig aufgerissene, korkreiche Borke gelblichgrau, früh schwärzliche, fein längsrissige, nicht bildend blätternde Borke bildend
Blätter klein, 3–5 abgerundete Lappen; führen Milchsaft meist gross, 5 mit mehreren Spitzen versehene Lappen, führen Milchsaft
Blüten Mai, mit Laubausbruch; scheinzwittrig, Doldenrispen bildend; Insektenbestäubung April-Mai, vor Laubausbruch; scheinzwittrig, Doldenrispen bildend; Insektenbestäubung
Früchte platte Spaltfrüchte, Rücken linien bilden gestreckten Winkel plattgedrückte Spaltfrüchte, Rückenlinien bilden stumpfen Winkel

Häufige Sträucher unserer Wälder

Blätter Blüten Früchte Besonderes
1,2 Schwarzdorn klein, lanzettlich, gesägt weiss, in Haufen, rosenblütenartig bläulich bereift, kugelig, essbar sparriger Strauch mit Dornen
3 Kreuzdorn rundlich, zugespitzt, gekerbt klein, gelbgrün, in Knäueln erbsengross blauschwarz, giftig endständige Dornen
4 Heckenkirsche Geissblatt breit, eiförmig, flaumig behaart weiss, dann gelb, paarweise an Stiel erbsengrosse Doppelbeeren, giftig reichverzweigter, niederer Strauch
5 Hasel gross, oval, beidseitig behaart ±: Kätzchen
∞: Knospen
Nuss in harter, brauner Schale blüht schon im Februar-März
6 Traubenkirsche breit, lanzettlich mit kurzer Spitze weiss, in hängenden Trauben erbsengross, schwarz, giftig stark duftende Blüten
7 Gemeiner Schneeball 3–5 lappig, ahornartig, gezähnt weiss, in Rispen mit Scheinblüten glänzend rot, beerenartig, giftig auch Rinde und Blätter sind giftig
Wolliger Schneeball gross, oval, weich, rauh behaart alle gleichartig, weiss, in Rispen ungeniessbar, zuerst rot, dann schwarz wohlriechende Blüten
8 Waldrebe unpaarig gefiedert, rankend weiss, filzige Kelchblättern kleine Nüsschen, fedrig geschwänzt klettert an Sträuchern u. Bäumen
9 Pfaffenhütchen lanzettlich, zugespitzt, kahl klein, gelbgrün, langgestielt karminrote Kapsel; gelbrote Samen geschützt; Samen sind giftig
10 Mehlbeere oval, ledrig; Blattunterseite weiss, filzig weiss, aufrechte Rispe kleine, kugelige, rotbraune, mehlige Apfelfrüchte wird bis 200 Jahre alt, Früchte nach Frost geniessbar
11 Weissdorn leicht gelappt, sehr variabel weiss oder rosa, in Trugdolden rote, eiförmige, mehlige Apfelfrüchte Brutstätte schädlicher Pilze (Mehltau) und Insekten
12 Hartriegel Hornstrauch eiförmig, ganzrandig, im Herbst rot weissgelb, lang gestielte Dolden erbsengrosse, blau-schwarze Früchte sehr häufig, träg-wüchsig
13 Eberesche Vogelbeere unpaarig gefiedert, Teilblätter gesägt weissgelb, aufrechte Rispen orange-rote Apfelfrüchte, in Büscheln anspruchslos, steigt bis 2400

Neben diesen dargestellten Arten finden wir in unseren Laubmischwäldern und an den Waldrändern auch noch folgende Sträucher relativ häufig:

  • Schwarzer Holunder mit schwarzen Früchten und Roter Holunder mit roten Früchten
  • Liguster mit Blättern, die im Winter oft noch an den Zweigen bleiben
  • Faulbaum oder Pulverholz, das man früher zur Herstellung von Schiesspulver brauchte
  • Heckenrose mit den Hagebuttenfrüchten
  • Seidelbast (blüht beinahe mit der Schneeschmelze, Rinde und Beeren enthalten hochgiftige Stoffe)

Häufigere Sträucher unserer Wälder

  1. Schwarzdorn mit Blüten
  2. Schwarzdorn mit Früchten
  3. Kreuzdorn
  4. Geissblatt
  5. Hasel
  6. Traubenkirsche
  7. Gemeiner Schneeball
  8. Waldrebe
  9. Pfaffenhütchen
  10. Mehlbeere
  11. Weissdorn
  12. Hartriegel
  13. Eberesche

Keimlinge ausgewählter Waldbäume

Keimblätter Erstlingsblätter
1 Rottanne 6–9 im Quirl, bogig aufwärts gekrümmt, dreikantig, zugespitzt, an den Seitenflächen weiss punktiert kleiner als Keimblätter, an ihren Seitenkanten im oberen Teil fein gezähnt
2 Waldföhre 4–7, meist 6 im Quirl, bogig auf gerichtet, dreikantig, glattrandig beidkantig gesägt, nicht paarweise, sondern einzeln stehend
3 Rotbuche gross, nierenförmig, ledrig, oben glänzend grün, unten weisslich, ganzrandig, am Rand grobwellig gegenständig, deutlich gezähnt, normalen Blättern ähnlich, flaumig behaart wie der Stengel
4 Hagebuche kurzgestielt, verkehrt eiförmig, ganzrandig, dick, ledrig, handnervig, unbehaart, unten weisslich einzeln, den normalen Blättern ähnlich
5 Esche schmal zungenförmig, glatt, ledrig, fiedernervig mit 1 Mittelnerv (im Unterschied zu den Ahornarten) gestielt, gegenständig, ungeteilt, ungleich gezähnt; Folgeblätter dreizählig, weitere unpaarig gefiedert
6 Bergahorn glatt, ohne Querknickungen, zungenförmig, nach oben verschmälert, mit 3 parallelen Nerven gestielt, länglich herzförmig, zugespitzt, ungelappt, aber gesägt

Altersangaben zu unseren Bäumen und Sträuchern

Natürliches AlterJahre NutzungsalterJahre
Rottanne 200–400 90–120
Weisstanne 600 150
Waldföhre 150–250 100–120
Lärche 600 100–140
Eibe 400–600 (1000)
Rotbuche 300 140–160
Hagebuche 150 60–100
Bergahorn 400–500 120–140
Feldahorn 100
Spitzahorn 150
Stieleiche 500–1000 180–300
Esche 300
Bergulme 500 120–140
Winterlinde 600
Sommerlinde 1000
Waldkirsche 80–90
Birke 120
Zitterpappel 100
Schwarzerle 100–150
Weisserle 50
Robinie 100
Schwarzdorn 40
Haselstrauch 60–70
Hartriegel 30
Salweide 60
Eberesche 80–100
Mehlbeerbaum 200
Elsbeerbaum 100 (–300)
Faulbaum 60

Die Bedeutung des Lichtes für unsere Waldpflanzen

Zwischen den Waldpflanzen unserer Breitengrade herrscht ein ständiger Kampf ums Licht. Er spielt sich allerdings völlig lautlos ab und ist wenig aufsehenerregend. Sieht man aber genauer hin, so kann man Folgen von Lichtmangel entdecken:

  • Lichtbedürftige Baum- und Straucharten (Föhren, Lärchen, Eichen, Ulmen, Eberesche, Schwarzdorn, Wolliger Schneeball) gedeihen nicht recht. Bäume, die nur anfänglich genügend Licht erhielten, haben später oft bis weit hinauf dürre Äste.
  • Bei Lichtmangel richten viele Pflanzen ihre Blätter nach der Sonne aus, um möglichst viel Licht einfangen zu können. Besonders eindrücklich sind in diesem Zusammenhang die mosaikartigen Anordnungen der Blätter bestimmter Bäume.

Blattanordnung der Bergulme und des Bergahorns in schattigen Lagen

Um das zur Verfügung stehende Licht möglichst gut auszunützen, fügen sich die Blätter dicht aneinander und vermeiden starke Überlappungen. Die Bergulme erreicht das durch verschiedene Blattgrössen und teilweise durch verschiedene Blattrichtungen, der Bergahorn zusätzlich noch durch verschieden lange Blattstiele:

Blattmosaik der Bergulme (links) und Blattmosaik des Bergahorns (rechts) (abgeändert nach Bertsch)

Die Jahrringe einer 62jährigen Föhre erzählen

Sie lehnt nach links und bildet auf dieser Seite breitere Jahrringe, die sie stützen. Die Jahrringe werden eng.
Jahr Vorgang
1920 Der Samen einer Föhre keimt
1925 Frühjahre und Sommer bringen viel Regen. Der Baum wächst schnell, seine Jahrringe sind breit und gleichmässig.
1930 Schon seit dem sechsten Altersjahr drückt ein umgefallener Nachbarbaum gegen die Föhre.
1940 Der Baum wächst seit einigen Jahren wieder gerade, aber seine Nachbarn wachsen mit und nehmen ihm Sonne und Wasser weg.
1943 Die Nachbarbäume werden geschlagen. Unsere Föhre kann wieder kräftiger wachsen und bildet breite Jahrringe.
1946 Zum Glück hat der Waldbrand unseren Baum nur auf der rechten Seite leicht verletzt. Jahr für Jahr überdeckt neues Holz die Brandwunde.
1958 Diese engen Jahrringe entstehen während einer längeren Trockenzeit.
1973 Insektenlarven haben viele Knospen und und Nadeln gefressen. Der Baum steht unter Stress und bildet eine weitere Gruppe von engen Jahrringen.
1982 Die Föhre ist nicht mehr gesund und wird geschlagen.

Ein Baumquerschnitt besteht aus verschiedenen Schichten

 

  1. Äussere Rinde oder Borke
    Sie erneuert sich ständig, hält Regenwasser ab, verhindert bei Sonnenschein eine zu grosse Verdunstung und schützt ferner gegen Kälte, Hitze, Pilz- und Insektenbefall.
  2. Innere Rinde oder Bast
    Darin liegen die Nährstoffleitungen für die Versorgung des Baumes. Der Bast lebt nur relativ kurze Zeit, verwandelt sich nach dem Absterben in Kork und wird Teil der Borke.
  3. Kambium
    Diese Zellschicht ist der eigentlich wachsende Teil des Stammes. Sie erzeugt jedes Jahr neue Borken- und Splintholzringe, also neue Rinden- und Holzschichten.
  4. Splintholz
    Darin liegen die Wasserleitungen des Baumes. Splintholz ist junges Holz. Mit der Bildung neuer Splintholzringe verlieren die inneren Zellen an Lebenskraft und verwandeln sich in Kernholz.
  5. Kernholz
    Die zentrale, stützende und tragende Säule eines Baumes ist das Kern- oder Herzholz. Es besteht aus einem System toter, hohler, nadelartiger Zellulosefasern, die durch einen Leim, das Lignin, zusammengehalten werden.

Die Schichten eines Baumstammes

 

Borke (äussere Rinde)
Erneuert sich ständig, hält Regenwasser ab, verhindert bei Sonnenschein zu grosse Verdunstung, schützt ferner gegen Kälte, Hitze, Pilz- und Insektenbefall

Bast (innere Rinde)
Darin liegen die Nährstoffleitungen für die Versorgung des Baumes. Der Bast lebt nur relativ kurze Zeit, verwandelt sich nach dem Absterben in Kork und wird Teil der Borke.

Kambium
Diese Zellschicht ist der eigentlich wachsende Teil des Stammes. Sie erzeugt jedes Jahr neue Borken- und Splintholzringe, also neue Rinden- und Holzschichten.

Splintholz
Darin liegen die Wasserleitungen des Baumes. Splintholz ist junges Holz. Mit der Bildung neuer Splintholzringe verlieren die inneren Zellen an Lebenskraft und verwandeln sich in Kernholz.

Kernholz
Zentrale, stützende und tragende Säule eines Baumes; besteht aus einem System toter, hohler, nadelartiger Zellulosefasern, die durch einen Leim, das Lignin, zusammengehalten werden.

Querschnitt durch einen Baum mit vier Jahrringen

 

Stark vergrösserter Ausschnitt aus dem Baumquerschnitt

Wachstum eines Baumes

Das Kambium, ein Gewebe zur Bildung neuer Zellen

Während des sekundären Dickenwachstums bilden sich zusätzliche Leitungs- und Festigungsgewebe. Sie entstehen im Kambium, einer Wachstumszone, die als geschlossener Zylinder den eigentlichen Holzkörper umgibt und verstärken das primär gebildete Gewebe im jungen dünnen Spross und in den Wurzeln. Die Zellen des Kambiums teilen sich, wobei die neugebildeten Zellen sowohl nach innen als nach aussen geschoben werden. Das neu gebildete Gewebe auf der Innenseite des Kambiums bezeichnet man als Holz, dasjenige auf der Aussenseite als Bast.

Holzteil

Zum Holzteil gehören neben den Parenchymzellen (Zellen des Grundgewebes) die Wasserleitungsgefässe und die Holzfasern. Die Gefässe bestehen aus längs verlaufenden Strängen, die Leitungs-, aber auch Festigungsaufgaben haben. Sie entstehen aus aneinander gereihten Zellen, die früh absterben. Dabei lösen sich ihre Querwände auf, und es bilden sich lange, in der Längsrichtung verlaufende Kapillarröhren. Die Gefässe mit den grösseren Durchmessern dienen allein der Wasserleitung. Sie sind durch sogenannte Tüpfel mit den parallel verlaufenden Nachbarzellen verbunden. Die engen Gefässe dienen vor allem der Festigung. Ihre Zellwände können sich stark verdicken, sodass man im mikroskopischen Querschnittspräparat nur noch enge Poren erkennt. Holzfasern bilden ebenfalls längs verlaufende Stränge, die aus meist schon abgestorbenen Zellen bestehen. Die Wände dieser Zellen sind allseitig stark verdickt und bilden damit eine wichtige Voraussetzung für das Festigungsgewebe.

Parenchymzellen sind lebende Zellen des Grundgewebes

Im Unterschied zu den toten Zellen der Gefässe und Holzfasern bleiben die Parenchymzellen lebend. Sie dienen der Speicherung von Reservestoffen (Öle, Zucker und vor allem Stärke). Man unterscheidet zwischen den längs der Gefässe parallel laufenden Holzparenchymzellen und den horizontal verlaufenden Markstrahlparenchymzellen. Beide werden vom Bast her mit organischen Nährstoffen versorgt.

Jahrringe

Die Holzmasse, die ein Baum in einem Jahr bildet, ist auf dem Stammquerschnitt als konzentrisch verlaufender Ring schon mit blossem Auge sichtbar. Jeder Jahrring besteht aus zwei mehr oder weniger verschiedenen Schichten. Der Unterschied entsteht durch die sich ändernden Faktoren, die das Wachstum während eines Sommerhalbjahres beeinflussen. Bei Beginn des Wachstums im Frühling ist für den Baum der Bau neuer Wasserleitungen wichtig, im Sommer steht die Festigung des neuen Gewebes im Vordergrund. So sind die im Frühjahr gebildeten Zellen dünnwandig und weit, die später gebildeten dickwandig und eng. Man unterscheidet Früh- und Spätholz.

Splintholz und Kernholz

Vielfach sind die Gefässe nur einige Vegetationsperioden lang in Betrieb. Am Wassertransport für den ganzen Baum sind immer nur die äusseren (jüngeren) Jahrringe beteiligt. Diese bilden das Weichholz oder Splintholz. Die älteren, weiter nach innen liegenden Jahrringe werden mit der Zeit ausser Funktion gesetzt und dienen dann nur noch der Festigung. Durch Einlagerung von Gerbstoffen schützen sich die Zellwände gegen die Zersetzung. Dieses Holz zeigt dann eine dunkle Verfärbung und heisst Kernholz. Es ist sehr dauerhaft und stark und damit auch wertvoller.

Bastteil

Der dem Kambiummantel aussen anliegende Bastteil setzt sich aus Parenchymzellen, Siebröhrensträngen und Bastfasern zusammen. Die Siebröhren bilden sich aus längs verlaufenden lebenden Zellen, die durch Siebplatten voneinander getrennt sind. Sie dienen dem Transport organischer Stoffe. Die Bastfasern gehen aus sehr langen, engen, bald absterbenden Zellen hervor, deren dicke Wände meist verholzen.

Korkkambium

Die vom Korkkambium nach aussen abgegebenen Zellen können verkorken und bilden die Borke. Die äusseren Teile der Borke werden meist rissig und können abblättern, darum bleibt der Bastmantel auch bei alten Baumstämmen fast immer dünn.

Schematisiertes Wasserleitungssystem eines Baumes

 

Die Wasserfäden steigen in langen, dünnen Röhren aus den Wurzeln durch den Stamm in die Blätter hinauf. Diese Fäden bleiben während des ganzen Pflanzenlebens erhalten, laufen also niemals aus. Sie bestehen aus Ketten eng aneinanderhaftender Wasserteilchen. Entweicht das oberste Wasserteilchen einer Kette als Dampf aus dem Blatt, so wird der ganze Faden emporgezogen. Die treibende Kraft zu diesem Vorgang liegt nicht in der Pflanze selber, sondern in der durch die Sonnenwärme verursachten Verdampfung.

Eine hundertjährige Rotbuche gibt an einem normalen Tag 50 Liter Wasser an die Luft ab. Für eine Hektare mit 500 Bäumen sind das 25’000 Liter pro Tag oder 4,5 Millionen Liter pro Sommerhalbjahr.

Damit der Baum derartige Wassermengen aus dem Boden saugen kann, muss die Oberfläche der wasseraufnehmenden Teile enorm gross sein. Das ist möglich durch die Milliarden von Wurzelhaaren, die im Bereiche des ganzen Wurzelwerkes im Boden liegen.

Leitbündel einer zweikeimblättrigen Pflanze

 

Eine Gruppe der Gefässe dient dem Wassertransport und dem Transport der Salze aus dem Boden in die Blätter. Die andere Gruppe dient dem Transport des durch die Pflanze hergestellten Zuckers. Die Wasserleitgefässe müssen wegen der Saugwirkung der Blätter einem grossen Druck gewachsen sein. Darum besitzen sie verschiedenartige Wandverdickungen.

Vertreter der Waldbodenkleintiere

(abgeändert aus Wildermuth, Kemptnertobel, 1976)

 

Abfallverwerter

  1. Regenwurm: bis 15 cm, frisst verrottete Pflanzen
  2. Enchyträe: 1–2 cm, frisst abgestorbene Pflanzenteile
  3. Saftkugler: 7–20 mm, frisst Fallaub
  4. Schnurfüssler: bis 4 cm, frisst Fallaub
  5. Assel: bis 16 mm, frisst zerfallendes pflanzliches und tierisches Material
  6. Hornmilbe: 1 mm, frisst Algen, Pilze, Sporen
  7. Springschwanz: 0,2–8 mm, frisst Fallaub
  8. Fliegenlarve: bis 2 cm, frisst verrottende Pflanzenteile, aber auch Kleintiere
  9. Ohrwurm: bis 15 mm, frisst tierische und pflanzliche Stoffe
  10. Schliessmundschnecke: bis 18 mm hoch
  11. Turmschnecke: bis 10 mm hoch
  12. Steinpicker: ø 17–19 mm
  13. Eingerollte Zahnschnecke: ø 11–15 mm

10–13 fressen verrottende Pflanzenteile

Räuberische Bodentiere

  1. Erdläufer: bis 3 cm, frisst kleine Regenwürmer
  2. Steinkriecher: bis 3 cm, frisst Spinnen, Asseln
  3. Moosskorpion: bis 3 mm, frisst Springschwänze u.a.
  4. Wolfsspinne: bis 1 cm, frisst Insekten
  5. Laufkäfer: bis 3 cm, frisst andere Tiere

In guten Böden leben grosse Mengen von Tieren

Individuen pro Quadratmeter Biomasse
Mittel Optimum g/m2
Springschwänze 50’000 400’000 4
Käfer, Käferlarven 100 600 20
Fliegen-, Mückenlarven 100 1000 15
übrige Insekten 150 15’000 15
Regenwürmer 100 500 200
Einzeller 108 1’011 150
Wirbeltiere < 1 < 1 10

Pro Jahr und Hektare fallen im Wald 4 Tonnen Laubstreu an. Davon werden bis zum April des nächsten Jahres von den Bodentieren bis zu 75 % abgebaut.

Viele dieser Tiere sind winzig klein

Springschwänze und andere Bodentiere auf einem Streichholzkopf (abgeändert nach Jürg Zettel)

Ein Heer von Bodentieren verarbeitet das Fallaub zu Humus

«Einweichen» des Blattes und Fensterfrass: Am Boden überzieht sich das Fallaub mit einem Wasserfilm. Darin siedeln sich Bakterien, Pilze, Fadenwürmer u.a. an. Sie fangen mit der Zerstörung der Blattoberfläche an und ermöglichen Springschwänzen und Hornmilben zwischen den feinsten Blattadern ganz kleine Fenster herauszufressen. (links)
Lochfrass: Fliegenmaden und andere Zweiflüglerlarven fressen runde Löcher in die Blätter oder nagen vom Rand her grössere Stücke heraus. (rechts)

 

Skelettfrass: Schnecken, Schnurfüssler, Saftkugler, Asseln, Ohrwürmer, Fliegenmaden, Milben, später auch Springschwänze und Enchyträen zerlegen die Blätter zunächst bis auf die Rippen. Schliesslich bauen sie auch noch das Blattskelett ab. Diese Zersetzer hinterlassen massenhaft Kotballen, die viel unverdautes Blattgewebe enthalten. (links)
Chemische Zersetzungsprozesse der Kotballen: Kleinere Bodentiere fressen diese Kotballen, die in ihren Därmen durch Bakterien und Pilze chemisch zersetzt werden. Regenwürmer und eine Reihe anderer Tiere durchmischen Bodenteilchen, Kotballen und kleinste Pflanzenreste. Haben alle diese Teilchen mehrere Därme passiert, so liegt krümeliger Humus vor. (rechts)

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Jakob Forster

Jakob Forster hat an der Universität Zürich Biologie für angehende Sekundar- und Bezirkslehrer unterrichtet. Er erhielt 1976 den Kulturpreis der Stadt Winterthur und ist seit 1982 Mitglied der Naturschutzkommission der Stadt Winterthur.

9 Kommentare zu “Bäume und Sträucher unserer Wälder

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    emil zehnder

    Einfach fantastisch, was du da ins Internet stellst!
    Gruss
    Emil

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      Michael Wiesner

      Herzlichen Dank fürs Kompliment! Da wird sich auch der Autor dieses Beitrags, Köbi Forster, bestimmt freuen.

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    Philipp Larch

    Sehr sehr umfangreiche und tolle Informationen!
    Vielen Dank für dieses umfassende spitzen Skript!

    Nur eine Anmerkung:
    Die Gewöhnliche Fichte (Picea abies) bildet eine eigene Unterfamilie „Piceoideae“ bei den Kieferngewächsen(Pinaceae) – der der Name Rottanne wird fälschlicher Weise verwendet!
    Die Weisstanne (Abies alba) gehört zur Unterfamilie „“Abietoideae.“
    Beste Grüsse

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    hanspeter

    wirklich eine geglückte seite. ich war hochentzückt beim lesen.

    herzlichen dank

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    Klara Wiese

    Besten Dank!

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    Karl Rolf Niederman

    Ihre Beiträge sind sehr wertvoll für unsere Dokumentation des Waldlehrpfades!

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    Super – verwende die Beiträge für unsere Waldprojekt-Woche. Danke!

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