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Mücken-Händelwurz

Die Mücken-Händelwurz oder auch Langspornige Handwurz (Gymnadenia conopsea) ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Orchideen. Sie blüht von Mai bis Juli.

Die Mücken-Händelwurz, Langspornige Handwurz, Mücken-Handwurz oder Mücken-Nacktdrüse (Gymnadenia conopsea) ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Sie blüht von Mai bis Juli und gedeiht am besten an sonnigen Standorten auf mässig feuchten, neutralen bis basischen, nährstoffarmen Böden mit stark wechselnder Feuchtigkeit.

Die Mücken-Händelwurz wurde 2015 zur Schweizer Orchidee des Jahres bestimmt.1

Merkmale

Die schlanke Mücken-Händelwurz erreicht eine Höhe von 20 bis 70 cm.

Am langen, lockerblütigen Blütenstand sitzen bis 50 kleine Einzelblüten. Diese zeichnen sich durch einen grossen Variantenreichtum aus: Die Farben reichen von rot-lila über rosa bis weisslich. An der dreilappigen Lippe ist der Mittellappen etwas länger als die Seitenlappen. Der dünne Sporn ist bis 2 cm lang und sichelförmig abwärts gebogen. Je nach Lichteinfall sieht man im Sporn den reichlich vorhandenen Nektar.

Die 3 bis 10 Laubblätter sind grün bis bläulich. Die grundständigen Blätter sind bis zu 25 cm lang und bis zu 4 cm breit, die obere Blätter sind sehr viel kleiner.

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)
Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Vorkommen

Die Mücken-Händelwurz findet man auf mässig trockenen bis nassen Böden, in mageren Wiesen und lichten Wäldern, aber auch auf Feucht- und Nasswiesen, sowohl auf saurem wie auf basischem Boden.

Diese kräftige Pflanze ist in der ganzen Schweiz verbreitet, im Mittelland selten, im westlichen Mittelland über grosse Strecken fehlend. Im Kanton Zürich kommt sie vor allem im südlichen Kantonsteil vor.2

Die Art kann lokal grössere Populationen bilden. Sie ist eine der häufigsten Orchideen in der Schweiz. In tieferen Lagen ist sie durch Entwässerung von Feuchtstandorten und durch Düngung von Magerwiesen bedroht.3

Ökologie

Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)
Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea)

Die Mücken-Händelwurz ist ein mehrjähriger Geophyt, überwintert also unter der Erdoberfläche.

Geophyten (=Kryptophyten) überdauern den Winter oder andere Stresssituationen (z.B. Sommertrockenheit im Mittelmeergebiet) mit unterirdischen Organen, aus denen sie wegen der eingelagerten Speicherstoffe unter besseren Bedingungen wieder auswachsen können. Häufig werden als ausdauernde Knollen, Rhizome oder Zwiebeln gebildet. Die oberirdischen Pflanzenteile wachsen jedes Jahr neu, diese sind somit einjährig und nicht verholzt, die Pflanze selbst ist aber ausdauernd.4

Der Name «Händelwurz» oder «Handwurz» bezieht sich auf die handförmige Form der Wurzelknollen.

Als Bestäuber treten verschiedene Tag- und Nachtfalter auf, zum Beispiel Edelfalter, Widderchen oder Taubenschwänzchen.

Der lange, dünne Sporn ist nur für ganz bestimmte Bestäuber geeignet: Tag- und Nachtfalter, die ihren Rüssel durch den weniger als 1 mm breiten Eingang in die Röhre einführen und den Nektar aufsaugen können.5

Gefährdung

Die Mücken-Händelwurz ist im Schweizer Mittelland potenziell gefährdet und in der ganzen Schweiz vollständig geschützt!

Quellen

Literatur

  • Baltisberger, M., Nyffeler, R., & Widmer, A. (2013): Systematische Botanik. Einheimische Farn- und Samenpflanzen. vdf Hochschulverlag AG, Zürich. 378 S.
  • Bornand, C., Gygax, A., Juillerat, P., Jutzi, M., Möhl, A., Rometsch, S., Sager, L., Santiago, H., & Eggenberg, S. (2016): Rote Liste Gefässpflanzen. Gefährdete Arten der Schweiz. Bundesamt für Umwelt, Bern und Info Flora, Genf. 178 S.
  • Lauber, K., Wagner, G., & Gygax, A. (2012): Flora Helvetica (5. Aufl.). Haupt Verlag, Bern. 1656 S.
  • Spohn, M., Aichele, D., Marianne, G.-B., & Spohn, R. (2008): Was blüht denn da? Sicher nach Farbe bestimmen. Extra: Bäume, Stäucher, Gräser. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart. 492 S.
  • Wohlgemuth, T., Fabbro, C. D., Keel, A., Kessler, M., & Nobis, M. P. (2020): Flora des Kantons Zürich. Haupt Verlag, Bern. 1300 S.

Links

Einzelnachweise

  1. AGEO, 2020
  2. Wohlgemuth et al., 2020
  3. AGEO, 2020
  4. Baltisberger et al., 2013, S. 85
  5. Spohn et al., 2008
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Von Michael Wiesner

Michael Wiesner ist Biologe. Er hat an der ETH Zürich Naturwissenschaften studiert und in der Fachrichtung Geobotanik bei Prof. Dr. Elias Landolt abgeschlossen. Seine Beiträge finden sich auch auf Facebook, auf Twitter, auf Flickr, auf Vimeo und auf Youtube.

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