Tiere

Laubfrosch

Tagsüber sitzen die Laubfrösche an Schilfhalmen über dem Wasser und im Ufergebüsch. Dort sonnen sie sich mit geschlossenen Augen und angezogenen Beinen. Drei Eigenschaften ermöglichen ihnen diese Lebensweise. Einmal sind sie sehr leicht, denn sie werden nur 4–5 cm lang und sind damit unsere kleinsten Frösche. Dann können sie dauernd ihre Farbe wechseln und dem Untergrund anpassen, auf dem sie gerade sitzen, und schliesslich erlauben ihre haftscheibenartigen Finger und Zehen ganz erhebliche Kletterkünste.

Wir finden den Laubfrosch von Ende April an bis in den Juni hinein im oder am Weiher, denn auch er ist für die Laichablage auf das Wasser angewiesen. Die Eier werden in 3–4 walnussgrossen Klumpen abgelegt, die je bis gegen 300 gelbbraune Eier enthalten. Seine Nachkommenschaft ist also mit 800–1000 Eier pro Pärchen sichergestellt.

Laubfrosch: Halbjährig und gelbgrün gefärbt

Tagsüber sitzen die Laubfrösche an Schilfhalmen über dem Wasser und im Ufergebüsch. Dort sonnen sie sich mit geschlossenen Augen und angezogenen Beinen. Drei Eigenschaften ermöglichen ihnen diese Lebensweise. Einmal sind sie sehr leicht, denn sie werden nur 4–5 cm lang und sind damit unsere kleinsten Frösche. Dann können sie dauernd ihre Farbe wechseln und dem Untergrund anpassen, auf dem sie gerade sitzen, und schliesslich erlauben ihre haftscheibenartigen Finger und Zehen ganz erhebliche Kletterkünste. Die beiden letzten Eigenschaften wollen wir genauer betrachten.

Farbwechsel

Laubfrösche sind normalerweise auf der Oberseite grasgrün und auf der Unterseite grauweiss. Ein unten dunkelbraunes und oben gelbes Band zieht sich von der Nase bis zu den Hinterbeinen und scheidet die verschiedenen Farben der Ober- und Unterseite voneinander. Männchen und Weibchen sind gleich gross und unterscheiden sich nur durch die Farbe der Kehlhaut. Beim Weibchen ist sie grauweiss wie die übrige Unterseite, beim Männchen dunkel-braun. Zudem kann das Männchen seine Kehlhaut beim Rufen zu einer Kugel von 2 cm Durchmesser aufblasen. Die üblichen Daumenschwielen, die bei der Paarung dem Festhalten dienen, fehlen dem Laubfroschmännchen.

Bei den Fröschen finden wir eine ausgeprägte Fähigkeit zum Farbwechsel. Oft verdunkeln sie ihre Farbe, wenn wir sie dunkel und feucht halten; im Sonnen-licht und in trockener Luft können sie rasch wieder hell werden. Doch längst nicht immer sind uns die Gründe für den Farbwechsel bekannt.

Der Laubfrosch ist der unbestrittene Meister im Farbwechseln. Meist ist er hell-grün gefärbt und so im Blattwerk der Büsche kaum zu sehen. Seine Farbskala reicht jedoch von gelblich über alle Grüntöne, Braun und Grau bis zu einem schmutzig-grauen Dunkelviolett. Offenbar benützt der Laubfrosch seine Fähigkeit zum Farbwechsel nicht ausschliesslich, um sich seiner Umgebung anzupassen; jedenfalls kann man Tiere finden, die sich farblich stark von ihrer Unterlage abheben. Auch der Ernährungszustand, die Wärme und Feuchtigkeit der Umgebung und das allgemeine Wohlbefinden werden als Gründe für das Zustandekommen bestimmter Farbtöne vermutet.

Tabelle 1: Verschiedene Farbtöne
Normalzustand blattgrün, wie mit Ölfarbe angestrichen
während der Überwinterung grauschwarz
an der trockenen Luft gelblich
stark besonnt weisslich
auf dunklem Untergrund blaugrau-dunkellila
beim Farbwechsel wirr grün-gelb-dunkelgrau marmoriert

Entstehung der Farben

 

Starke Reize wie helles Licht, hohe Temperatur, Trockenheit und jäher Schreck verursachen hellere Farben. Lang andauernde Reize, wie im Winter Kälte und Feuchtigkeit haben dunklere Farbe zur Folge. Helligkeit und Farben, vor allem diejenigen des Untergrundes werden durch die Augen, die Luft- und Bodenfeuchtigkeit durch die Haut wahrgenommen. Diese Reize werden ins Gehirn weitergeleitet und von diesem gehen Befehle auf Nervenbahnen zu den zuständigen Hormondrüsen und regen diese zur Ausscheidung von Botenstoffen (Hormonen) an. Diese bewirken dann die Ausbreitung oder das Zusammenziehen des schwarzen Farbstoffes.

Blauer Laubfrosch

Laubfrosch ohne gelbe Farbstoffzellen

Ganz selten finden wir Tiere, denen die gelben Farbstoffzellen weitgehend oder sogar ganz fehlen. Das zurückgeworfene Licht bleibt blau, denn die Mischfarbe Grün kann nicht mehr entstehen. Die blauen Laubfrösche wissen natürlich nichts von ihrem sonderbaren Gewand und verhalten sich wie ihre normal gefärbten Verwandten. Es ist klar, dass die zahlreichen Feinde einen blauen Frosch viel eher sehen, wenn er sich auf einem grünen Blatt sonnt, und darum werden sie auch schneller aufgefressen als die getarnten Exemplare. Die blaue Variante des Mittelmeer-Laubfrosches Hyla meridionalis soll in der Provence etwas zahlreicher vorkommen als diejenige des Europäischen Laubfrosches Hyla arborea.

Kletterkünste

 

Der Laubfrosch ist imstande, an senkrechten, ganz glatten Flächen wie etwa an Fensterscheiben auf und ab zu spazieren. Es scheint, als klebe er mit seinen Händen und Füssen fest. Springt der Frosch eine glatte Fläche an, so rutscht er vielfach eine kleine Strecke; sobald aber aus seinen vorne scheibenartig verbreiterten Fingern und Zehen eine klebrige Flüssigkeit austritt, wird er wie angeleimt. Wenn die kleinen Muskeln, welche den Klebstoff hinauspressen, erschlaffen, so weicht dieser wieder in die Haftballen zurück, und der Laubfrosch kann ins Rutschen kommen. Es handelt sich also beim Festhalten an glatten Flächen nicht nur um die Adhäsionswirkung der Haftballen, sondern auch um ein Ankleben. Der Laubfrosch besitzt zudem eine mit porigen Wärzchen besetzte Bauchhaut, die durch ihre Klebrigkeit beim Festhalten mithilft.

Diese Eigenschaften erlauben den Tieren, auf Sträuchern und Bäumen herumzuklettern und von einem Blatt auf das andere zu springen, um Fliegen, kleine Käfer, glatte Raupen und Schmetterlinge zu erhaschen. Alle Beutetiere müssen sich bewegen; tote oder regungslose Tiere sehen sie nicht und rühren sie darum auch nicht an. Sprungvorbereitungen erkennt man oft am Pochen der Kehlhaut und am Zittern der längsten Zehe. Sie fixieren den Ort, den sie erreichen wollen, vor dem Absprung. Sie springen also nie ins Ungewisse und auch nicht weiter als 30 cm. Haben sie die Beute mit der Zunge gepackt, so wird sie mit beiden Händen ins Maul gestopft.

Laubfrösche sind wahre Akrobaten

Laubfrösche sind die einzigen Amphibien, die wir auch auf Büschen und Bäumen antreffen. Sie können hervorragend klettern und springen, sind leicht  und wendig und besitzen zudem klebrige Haftscheiben an Finger- und Zehenspitzen. Diese gewähren ihnen selbst an senkrechten Glaswänden sicheren Halt.

Zum Ausruhen pressen sie zusätzlich den Bauch flach an die Unterlage. Diese Haftkraft trägt dann einen Teil des Körpergewichtes und entlastet Arme und Beine. Aus der Ruhestellung können die Laubfrösche vorüberfliegende oder -laufende Insekten mit einem Sprung erhaschen und anschliessend erst noch sicher landen.

Der Laubfrosch als Wetterprophet

Alte Wetterregeln heissen:

«Wenn die Laubfrösche knarren, magst du auf Regen harren.»

«Das Fröschel hat die Art, dass es vorhin schreit, wenn ein Regen wil kommen.»

Ausdauernd ruft er nur nachts während der Paarungszeit, also im Mai. In warmen, mondlosen Nächten und vor Gewittern quakt er in der Regel stärker.

In die Höhe steigt er, weil sich bei schönem Wetter viele seiner Beutetiere auch in höheren Luftschichten aufhalten. Zudem entspricht das Kletterbedürfnis dem natürlichen Verhalten des Baumfrosches. Einen Laubfrosch zum Zwecke hausgemachter Wettervorhersagen in einem Glas zu halten, ist Unfug.

Weitere Informationen

  • Amphibienarten der Schweiz | Zusammenstellung und Beschreibung der Amphibienarten der Schweiz durch die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch).
  • Rote Listen der gefährdeten Arten der Schweiz: Amphibien | Von den in der Schweiz vorkommenden Amphibien, für die genügend Daten vorhanden sind, stehen 78% auf der Roten Liste. Besonders gefährdet sind diejenigen, welche in gelegentlich austrocknenden Gewässern vorkommen.
  • Froschnetz | Zahlreiche Informationen über Biologie, Lebensräume und Gefährdung von Fröschen, Kröten, Molchen und andere Amphibien der Schweiz. Ein Arten-Katalog mit ausführlichen Beschreibungen ergänzt das umfassende Angebot.

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Jakob Forster

Jakob Forster hat an der Universität Zürich Biologie für angehende Sekundar- und Bezirkslehrer unterrichtet. Er erhielt 1976 den Kulturpreis der Stadt Winterthur und ist seit 1982 Mitglied der Naturschutzkommission der Stadt Winterthur.

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