Schmetterlinge – die schönsten Tag- und Nachtfalter

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Mittlerer Weinschwärmer

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Gammaeule (Autographa gamma)

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Weidenbohrer (Cossus cossus)

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Kleines Nachtpfauenauge

Vom Parfümfläschchen der Nachtpfauenaugendame

Eudia pavonia

Früher, etwa zu Napoleons Zeiten, verwendeten die Menschen Parfüm, um andere, weniger vorteilhafte Körpergerüche zu überdecken. Heute betupft sich die holde Damenwelt mit diesen kostbaren Flüssigkeiten wohl eher, um damit die Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen auf sich zu lenken.

Die Wirkung der Duftdrüse des Nachtpfauenaugen-Weibchens

Was soll nun aber Parfüm mit einem Schmetterling, mit dem Nachtpfauenauge, zu tun haben? Um die eigenartigen Zusammenhänge zu erklären, begeben wir uns an einem warmen, fast windstillen Vorfrühlingsnachmittag hinaus an einen Waldrand oder in ein Ried. Im Drahtkäfig verpackt, nehmen wir einige unserer im Vorjahr gezüchteten Nachtpfauenaugen-Weibchen mit. An einem dem leichten Wind ausgesetzten Ort stellen wir die Behälter auf und beginnen mit unseren Beobachtungen. Die pelzigen, mit ihren Augenflecken geheimnisvoll wirkenden Weibchen sitzen ruhig an der Drahtgaze. Bei genauem Hinsehen bemerken wir aber kleine Hin- und Herbewegungen an der Hinterleibsspitze. Eine stecknadelgrosse, gelblichgrüne Duftdrüse wird rhythmisch ausgestülpt und wieder eingezogen, mehrere Male in der Minute. Vergeblich versuchen wir, auch mit frisch geputzter Nase, irgendeinen Geruch festzustellen. Was uns verwehrt ist, hat aber auf die Männchen der Nachtpfauenaugen eine überraschende Wirkung. Schon nach kurzer Zeit kommen sie angeflogen. Dank ihren orangeroten Hinterflügeln können wir sie schon auf grössere Distanzen beobachten, wie sie im Zickzackflug unsere Käfige aufspüren. Sie besitzen offenbar eine weit empfindlichere Nase als wir Menschen.

Das Riechvermögen der Fühler

Sehen wir uns den Kopf eines eben angeflogenen Männchens genauer an, so fallen uns sofort die grossen, breit und dicht gefiederten Fühler auf. Man nennt die Fühler der Insekten auch Antennen, und wie in der Radiotechnik dienen sie dazu, Meldungen aus grosser Entfernung zu empfangen. Diese Fernorientierung wird möglich durch das Zusammenwirken einiger zehntausend Sinneszellen, welche in den Antennen liegen. Besondere Zellen davon sprechen auf Duft an, und zwar nicht auf irgendwelchen, sondern genau auf denjenigen des zugehörigen Weibchens. Kein noch so starker anderer Duft, wie etwa derjenige von Mottenkugeln, Tabak oder gar der üble Gestank rauchender Fabrikschlote kann den feinen Duft eines Nachtpfauenaugenweibchens überdecken. Wahrscheinlich riechen die Faltermännchen gar keine anderen Düfte als denjenigen ihrer Weibchen.

Beobachten wir nun wieder die Nachtpfauenaugen-Männchen, so stellen wir bald einmal fest, dass immer mehr Falter die Käfige mit den eingesperrten Weibchen umflattern, und dass sie alle ziemlich genau aus der gleichen Richtung kommen. Sie fliegen gegen den Wind. Warum? Die Luftströmungen bringen nicht nur die feinen Duftteilchen der Weibchen in die Antennen der Männchen, sondern geben zwangsläufig auch die Richtung zur Duftquelle an. Damit erst wird für die Männchen eine Orientierung möglich.

Für die Duftübertragung muss der Wind vom Weibchen her blasen; also ist das Männchen gezwungen, gegen den Luftstrom zu fliegen. Die gelenkig mit dem Kopf verbundenen Fühler gestatten dem Männchen, die Strömungsgeschwindigkeit zu messen und damit die Distanz zur Duftquelle zu „errechnen“. Nachtpfauenaugen-Männchen finden ihre Weibchen sicher bis auf eine Entfernung von zwei Kilometern. Von anderen Schmetterlingsarten, so vom chinesischen Seidenspinner Actias selene, kennt man Anflugsdistanzen von vier Kilometern, in Ausnahmefällen sogar von elf Kilometern. Das sind enorme Leistungen.

Paarung und Eiablage

Wenn wir jetzt einen Käfig mit den duftenden und wartenden Nachtpfauenaugen-Weibchen öffnen, so fliegen sofort einige Männchen hinein. Die Paarung dauert zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Etwa eine Stunde nach der Trennung beginnen die Weibchen mit der Eiablage. Dazu geben wir entweder einen Schwarz- oder Weissdornzweig in den Käfig, oder dann setzen wir die Weibchen an einen entsprechenden Strauch. Die 50-100 Eier werden behutsam nebeneinander geklebt. Sie bilden schliesslich ein etwa zentimeterbreites Band rund um einen Zweig.

Nach der anstrengenden Paarung und Eiablage sind die Nachtpfauenaugen erschöpft. Sie können sich nicht wieder mit Blütennektar stärken, denn sie haben keine Möglichkeit, Futter aufzunehmen. Die Mundwerkzeuge sind verkümmert, und damit ist ihre Lebenszeit auf wenige Tage beschränkt. Mit Paarung und Eiablage haben sie aber ihre Aufgaben erfüllt; ihr Leben ersteht neu in den wenig später ausschlüpfenden Räupchen.

Vorkommen und Aussehen des Kleinen Nachtpfauenauges

  1. Vorkommen
    Das Kleine Nachtpfauenauge gehört zu den Nachtfaltern. Die Männchen fliegen aber am Tag, und zwar Ende April bis Mitte Mai an schönen, warmen Nachmittagen längs Waldrändern und Feldgehölzen mit Schwarzdorn, Weissdorn und anderen Raupenfutterpflanzen.
  2. Ein Männchen des Kleinen Nachtpfauenauges von vorn
    Die breit gefiederten Fühler enthalten Sinneszellen, mit denen das Männchen vom Wind verfrachtete Duftspuren der Weibchen wahrnehmen kann.
  3. Hinterleib und Hinterflügel eines Weibchens von unten
    Das Weibchen hängt an einer Pflanze und stülpt in den Nachmittags-stunden warmer Frühlingstage ihre im Hinterleib liegende Duftdrüse aus. Dabei entweicht ein Duftstoff, der die Männchen anlockt. Menschen riechen dieses Parfüm nicht.

Aus dem Leben des Kleinen Nachtpfauenauges

  1. Paarung
    Der Lockstoff des Weibchens und das Wahrnehmungsvermögen des Männchens dienen der Paarung. Sobald das anfliegende Männchen das ruhig wartende Weibchen gefunden hat, erfolgt die Vereinigung. Sie dauert 1-2 Stunden.
  2. Eiablage
    Eine halbe Stunde nach der Paarung beginnt das Weibchen mit der Ablage seiner 50-100 Eier. Es klebt sie vielfach zu einem Band rund um den Zweig einer Raupenfutterpflanze.
  3. Raupe, Puppe, Kokon
    Nach der 4.Häutung erhält die Raupe das nebenstehende Kleid: Die grüne Grundfarbe ist durch schwarze Streifen unterbrochen, in denen gelbe, orange oder rosarote Punkte liegen.

Die ausgewachsene Raupe spinnt einen birnenförmigen Kokon. Darin häutet sie sich wenig später zur Puppe. Die Puppenruhe dauert von Juli bis Ende April des nächsten Jahres.

Nagelfleck (Aglia tau)

Nagelfleck, Männchen (Fotos: Jakob Forster)

Merkmale

Die Falter erreichen Flügelspannweiten von 55-85 mm, wobei die Männchen etwas kleiner sind. Ihre Flügel sind ockergelb bis dunkelbraun, selten kommen schwarze Formen vor. Die Männchen sind deutlich kräftiger gefärbt, als die blassen Weibchen. Die Tiere tragen auf jedem Flügel einen schwarzen, dunkelblau gekernten Augenfleck, der in der Mitte einen hellen, T-förmigen, «Nagelfleck» trägt. Nahe am Flügelaussenrand verläuft eine dunkle Binde. Die Flügeloberfläche zwischen ihr und dem Aussenrand ist teilweise dunkel gestäubt. Die Fühler der Männchen sind stark gefiedert. Die Flügelunterseite ist hell rotbraun und hellgräulich gefärbt. In der Mitte der Vorderflügel befindet sich eine breite, braune Binde, in der ein heller Nagelfleck erkennbar ist. Der Rand der Vorderflügelunterseite ist gleich wie der der Oberseite mit einer, allerdings hellen Binde gefärbt.

Die Raupen werden etwa 50 mm lang. Sie sind grün gefärbt und tragen neben einer gelblichen Seitenlinie auf ihren wulstigen Rückenhöckern schräge gelbliche Streifen. Sie sind unbehaart und in ihrem Körperbau plump. In jungen Stadien tragen sie am Kopf zwei, am dritten Segment zwei und am vorletzten Segment einen sehr langen, leicht gezähnten Fortsatz, der am Ende gegabelt ist. Diese sind dunkelrot, weiss, dunkelrot gefärbt. Ein weiterer kurzer, dunkelroter Fortsatz sitzt am Hinterleibsende. Diese Fortsätze werden nach jeder Häutung kleiner und fehlen im letzten Larvenstadium ganz. Der Kopf der Tiere ist im ersten Larvenstadium braun und weiss gefärbt, später grün.

Lebensweise

Sie leben in Laubwäldern mit hohem Buchenanteil. Im Gegensatz zu den nacht- oder dämmerungsaktiven Weibchen fliegen die Männchen am Tag aber auch in der Nacht von Mitte April bis Mai im hektischen Zickzackflug am Boden auf der Suche nach unbefruchteten Weibchen umher. Diese locken ähnlich wie das Kleine Nachtpfauenauge die Männchen mit Duftstoffen, die diese mit ihren grossen Fühlern auf grosse Distanz wahrnehmen können. Die Falter haben keine Mundwerkzeuge und leben nur wenige Tage.

Entwicklung

Die Weibchen legen ihre rotbraunen, flachen und ovalen Eier einzeln, aber zum Teil sehr eng nebeneinander an Zweigen ab. Die Raupen bauen sich nach dem Schlüpfen auf der Unterseite eines Blattes ein Gespinst, in dem sie in den Fresspausen ruhen. Sie ernähren sich besonders von Rotbuche, aber auch von Salweide, Stieleiche, Hänge-Birke und anderen Laubbäumen. Sie verpuppen sich am Boden in der Streuschicht oder im Moos in einem lockeren, netzartigen Kokon und überwintern darin, bevor sie schlüpfen.

bearbeitet aus Wikipedia

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Ernst Annaheim, 4653 Obergösgen
    23. Mai 2020 16:19

    Einfach grossartig diese fachlich niedergeschriebenen Abhandlungen
    „kostenlos“ lesen zu dürfen. Vielen Dank dafür – ich danke bestimmt auch
    im Namen anderer Naturliebhabern oder Schmetterlingsfreunden.
    Persönlich komme ich durch Schmetterlings-Motivbriefmarken auf dieses
    tolle Fachgebiet.
    siehe auch unter: schwalbenschwanz.ch

    Antworten

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