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Das Tagpfauenauge – ein edler Falter

Das Tagpfauenauge (Inachis io) gehört zu den auffälligsten und bekanntesten heimischen Schmetterlingen. Die erwachsenen Raupen des Tagpfauenauges sind gut erkennbar an der samtschwarzen Zeichnung mit weissen Punkten, an den fleischigen Dornen und an den orangen Bauchfüssen.

Das Tagpfauenauge (Inachis io) ist einer der auffälligsten und bekanntesten heimischen Schmetterlinge. Es gehört zur Familie der Edelfalter (Nymphalidae) – wie etwa der Admiral, der Schillerfalter oder der Kleine Fuchs.

Vorkommen

Man trifft den grossen, rot-braun gefärbten Falter des Tagpfauenauges überall im offenen Gelände und an Waldrändern – ihn zwei Generationen und fast das ganze Jahr hindurch. Die erste Generation schlüpft ab Juli, die zweite ab August, vor allem aber im September oder Oktober. Schon im März und im April begegnet man dem Tagpfauenauge, wenn es sich auf Kieswegen, Schuttplätzen und Geröll an der Sonne wärmt.

Sein Lebensraum erstreckt sich über weite Teile Europas bis in den Fernen Osten nach Japan.

Tagpfauenauge (Inachis io)
Ein Tagpfauenauge (Inachis io) wärmt sich auf einem Kiesweg in der April-Sonne

Merkmale

Die vier grossen Augenflecken auf den Flügeln des Tagpfauenauges sind unverkennbar, sie sollen Fressfeinde abschrecken. Bei Gefahr klappt der Falter die Flügel blitzartig auseinander und zeigt seine Flügeloberseiten. Dem Fressfeind täuscht er so vor, ein grosses Tier blicke ihn an.

Die Flügel des Tagpfauenauges sind am Aussenrand gezackt und auf der Unterseite schwärzlich gefärbt. Im Ruhezustand klappt der Schmetterling seine Flügel zusammen und sieht dann aus wie ein trockenes Blatt. Dadurch ist er ausgezeichnet getarnt.

Die Spannweite seiner Flügel erreicht 50 bis 60 mm.

Die Vorderbeine sind wie bei den Edelfaltern üblich etwas rückgebildet. Das erste Beinpaar ist zu einer krallenlosen «Putzpfote» umgebildet.

Ernährung

Die Falter sind wenig wählerisch und besuchen viele verschiedene Blüten, zum Beispiel diejenigen des Gewöhnlichen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum). Insgesamt sind über 200 verschiedene Nektarpflanzen bekannt.

Entwicklung

Die Falter legen ihre Eier – im Durchschnitt legt jedes Weibchen etwa 400 Eier – in Klumpen an die Unterseite von Brennnesselblättern. Die frisch geschlüpften Räupchen spinnen in kurzer Zeit ein auffallendes Gespinst, in dem sie in Gesellschaften an Brennnesseln leben. Sie ernähren sich fast ausschliesslich von Brennnesseln.

Die erwachsenen Raupe sind gut erkennbar an der samtschwarzen Zeichnung mit weissen Punkten, an den fleischigen Dornen und an den rötlichen Bauchfüssen.

Die Raupen verwandeln sich in Stürzpuppen, das heisst die Puppen hängen kopfüber an Brennesselblättern oder anderen Zweigen.

Im Beitrag «Schmetterlinge – die schönsten Tag- und Nachtfalter werden die vier Lebensabschnitte des Tagpfauenauges in Wort und Bild erklärt.

Überwinterung

Das Tagpfauenauge sucht sich im Herbst einen kühlen, dunklen Platz als Winterquartier, im Freien in Mauern, natürlichen Höhlen, Fuchsbauten oder Mauslöchern, in zerfallenden Häusern oder im Gebälk des Dachbodens und überwintert so als Schmetterling. Im zeitigen Frühjahr kommt er wieder zum Vorschein. Dann wandert er oft viele Kilometer weiter. Er bildet jedes Jahr zwei Generationen.

Tagpfauenauge (Inachis io)
Bereits im März oder April kann man das Tagpfauenauge (Inachis io) beobachten. Dieses Exemplar hier stammt aus dem letzten Jahr und hat als Falter überwintert.
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Von Michael Wiesner

Michael Wiesner ist Biologe. Er hat an der ETH Zürich Naturwissenschaften studiert und in der Fachrichtung Geobotanik bei Prof. Dr. Elias Landolt abgeschlossen. Seine Beiträge finden sich auch auf Facebook, auf Twitter, auf Flickr, auf Vimeo und auf Youtube.

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