Tiere im Wald: Haselmaus

Tiere
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Lebensraum und Lebensgewohnheiten

Begegnungen mit Haselmäusen gehören schon nicht zum Alltäglichen. Umso mehr freut es uns, wenn wir beim Durchstöbern buschiger Waldränder plötzlich vor einem kugeligen, kunstvoll mit Gräsern verarbeiteten Nest stehen, das knapp zwei Meter über dem Boden zwischen kleinen Ästen eines Strauches befestigt ist. Wir nähern uns langsam und merken bald, dass hier keine Vögel nisten. Das Nest scheint eine vollkommen geschlossene Hohlkugel zu sein. Von der Neugierde gepackt, drücken wir sorgfältig einige Äste zur Seite, und schon huschen drei, vier kleine, rotbraune Haarknäuelchen nebst einem grösseren aus dem kaum sichtbaren, seitlichen Loch des Nestes. Die Haselmausmutter und ihre Jungen flüchten vor einem unbekannten Feind, der ihre Wohnung erschüttert, anders, als dies der Wind tut. Sie springen nicht weit weg, aber die kurzen Strecken legen sie mit traumwandlerischer Sicherheit zurück. Über dünnste Zweige, ja sogar über Blattstiele und Blätter springen sie in die nächste Deckung. Es sind wahre Seiltänzer. Nur wer jetzt eine halbe Stunde stille stehen kann, wird die Tiere nicht aus den Augen verlieren. Die Haselmäuse äugen aufmerksam nach dem Störefried, und die zierlichen, runden Ohren sind auch stets in Bewegung. Ab und zu vernehmen wir ein ganz hohes Piepsen. Die Töne liegen an der Schallgrenze unserer Ohren und darüber, also zum Teil im Ultraschallbereich.

Wenn sich die Tiere sicher fühlen, beginnen sie an einer Knospe zu knabbern oder aus einem Blatt winzig kleine Löcher herauszubeissen. Beim genauen Hinsehen gleichen grosse Teile des Buschblätterdaches über dem Nest einem feinen Sieb. Lange dauert aber diese Mahlzeit nicht; bald trachten die Haselmäuse wieder danach, zu ihrem Nest zu gelangen, wo sie den Rest des Tages verschlafen wollen. Sie gehören nämlich zu den Dämmerungs- und Nachttieren und verlassen tagsüber die Schlafstube nur bei vermeintlicher oder wirklicher Gefahr. Diese Tatsache ist sicher auch der Hauptgrund, warum wir sie nur selten zu Gesicht bekommen und gar nicht so viel über sie wissen. Ähnliches gilt auch für ihre Verwandten, die Garten-, Baum- und Siebenschläfer. Mit diesen zusammen gehören die Haselmäuse zur Nagetierfamilie der Schläfer oder Bilche.

Winterschlaf

Die Haselmäuse gehören zu den echten Winterschläfern. Im Spätherbst legen sie in hohlen Baumstümpfen, unter grossen Steinen, in lockerem Mauerwerk oder gar nur in Bodenvertiefungen ein äusserst sorgfältiges Winternest an. Faseriges Material verschiedenster Pflanzen wird mit dem klebrigen Speichel verkittet und das Innere mit Laub, Gras und Moos ausgepolstert. Mitte Oktober verfallen sie dann in einen tiefen Winterschlaf, den sie in der Regel wenig unterbrechen. Oft liegen mehrere Tiere beieinander. Alle sind fast kugelrund zusammengerollt, haben die Vorderpfoten ans Gesicht gepresst und den Schwanz dazwischen über das Köpfchen gelegt. Der Winterschlaf ist nur bei Tieren möglich, die in der Lage sind, ihre Wärmeregulation umzuschalten. Das können allerdings nur wenige. Die anderen Tiere gleichen tiefe Aussentemperaturen durch gesteigerte Atmung und erhöhten Nahrungsverbrauch, zum Teil auch durch Anzehren ihrer Fettreserven aus. Sind dann die im Körper gespeicherten Vorräte erschöpft, so erkalten sie langsam. Sinkt die Körpertemperatur auf etwa 20 Grad ab, so arbeiten bestimmte Teile des Gehirns nicht mehr, und der Tod tritt ein.

Die echten Winterschläfer gleichen tiefe Aussentemperaturen zuerst auch durch vermehrte Atmung und durch grösseren Nahrungsverbrauch aus. Wird es aber immer kälter, so sind sie in der Lage, auch ihre Körpertemperatur absinken zu lassen. Dabei fallen sie in einen tiefen Schlaf, der mit einer todesähnlichen Starre verbunden ist. So atmet jetzt auch die Haselmaus viele Male langsamer, ihr Herz schlägt nur noch ein paarmal pro Minute, und ihr Blut-druck sinkt erheblich. Aber auch bei Winterschläfern darf die Körpertemperatur nicht beliebig weit absinken. Wenn sie eine untere Grenze von etwa fünf Grad erreicht, wird es selbst für diese Tiere gefährlich. Sie erliegen aber dem Kältetod nicht, wenn ihr «Temperaturfühler» schnellere Herz- und Atemtätigkeiten auslöst, die die Tiere wieder aufwärmen oder gar wecken, damit sie einen geschützteren Ort aufsuchen können. Auch bei günstigen Bedingungen schläft kein Tier den ganzen Winter pausenlos durch. So weiss man vom Murmeltier, dass es während seines gut fünfmonatigen Winterschlafes etwa sechsmal aufwacht.

Aufzucht der Jungen

Im Monat April weckt die wieder stärker wärmende Sonne unsere Haselmäuse. In dieser Jahreszeit kann man sie auch am besten beobachten, denn ihr Lebensraum, die niederen Büsche, sind noch laubfrei. Sie beginnen bald mit dem Bau eines Sommernestes, in welchem einige Wochen später die ersten 3–7 Jungen zur Welt kommen. Diese sind anfänglich noch nackt und blind, werden etwa einen Monat lang gesäugt, wachsen dann aber rasch und sind bereits im Spätsommer selbständig. Zu dieser Zeit werfen deren Mütter meistens noch einmal 3–5 Junge. Im Herbst ist ja der Tisch reich gedeckt mit Samen, Obst, Beeren und Insekten aller Art, so dass auch der zweite Wurf bis zum Einbruch des Winters genügend Reserven anlegen kann. Ganz besonders schätzen die Tiere die Haselnüsse, die sie in der Regel aufraspeln und leeren, ohne sie abzupflücken.

Haltung in Gefangenschaft

Die Haselmaus steht wie alle Schläfer unter Naturschutz. Findet man aber ein ganz kleines, mutterloses Tier, so säugt man es mit verdünnter Milch aus einer Puppenflasche und verwendet dann als feste Nahrung zerquetschte Beeren und Nüsse. Wenn die herangewachsene Haselmaus in Gefangenschaft keinen Winterschlaf antreten will, muss man sie durchfüttern. Dazu eignen sich Kopf-, Chicorée- und Nüsslisalat, Haselwürstchen und -nüsse, verschiedene Beeren, Wasser und verdünnte Milch. Da die Haltung eines jeden Tieres viel Geduld und Verständnis erfordert, soll man auch eine Haselmaus nur dann bei sich behalten, wenn man ihr ein ideales Ersatzheim bieten kann.

Lebensraum und Fortpflanzung der Haselmäuse

Nest

Die Haselmaus baut ihr kugeliges, kunstvoll geflochtenes Nest in reich verzweigten Sträuchern, die an geschützten und wenig begangenen Waldrändern liegen. Sie steigt dazu 2–3 m über den Boden und verwendet als Baumaterialien dürres Laub, Moos und Gras. Haselmausnester sind oben immer zu; der Eingang liegt auf der am meisten geschützten Seite.

Fortpflanzung

Das Nest dient in erster Linie für die Aufzucht der 3–4 Jungen, die nach einer Tragzeit von 25 Tagen Ende Mai, anfangs Juni auf die Welt kommen. In günstigen Jahren wirft die Mutter im Herbst noch ein zweites Mal.

Nach 18 Tagen öffnen die Kinder ihre Augen. Sie werden etwa einen Monat lang gesäugt und machen sich dann nach einem weiteren Monat selbständig. Bereits im nächsten Sommer sind sie geschlechtsreif und leben dann noch etwa 2–3 Jahre.

Lebensgewohnheiten der Haselmäuse

Nächtliche Lebensweise

Haselmäuse sind Dämmerungs- und Nachttiere und verlassen ihre Nester tagsüber nur bei drohender Gefahr. Sie bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit auch über dünne Äste und selbst über Blätter.

Nahrung

Sie fressen Beeren, Sämereien, Haselnüsse, Knospen, feine Rindenteile und gelegentlich auch kleine Insekten. Sie verraten ihren Neststandort vielfach, weil sie aus den Blättern der näheren Umgebung siebartig Löcher herausraspeln.

Überwinterung

Haselmäuse überwintern in Baumhöhlen, unter grösseren Steinen oder in lockerem Mauerwerk. Sie bauen sich ein äusserst sorgfältig abgedichtetes Winternest und rollen sich darin kugelartig ein, pressen die Vorderpfoten ans Gesicht und legen den Schwanz dazwischen über den Kopf.

Waldmaus

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