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Tiere im Wald: Siebenschläfer

Der Siebenschläfer gehört, zusammen mit der zierlichen Haselmaus, dem Garten- und dem Baumschläfer, zur Familie der Bilche oder Schläfer.

Der Siebenschläfer gehört, zusammen mit der zierlichen Haselmaus, dem Garten- und dem Baumschläfer, zur Familie der Bilche oder Schläfer. Er trägt seinen Namen zu Recht, verbringt er doch rund sieben Monate im Winterschlaf, den er allerdings ab und zu unterbricht.

Lebensraum

Vom Mai an bis in den Herbst hinein finden wir den Siebenschläfer in Laubmischwäldern, vor allem in Eichenbeständen. Wenn wir gerne einmal einen solchen Graupelz als «Haustier» halten möchten, stellen wir uns im Spätsommer bei einem Vogelschutzverein zur Verfügung, um im Wald Vogelnistkästen putzen zu helfen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit finden wir dann einen dieser Untermieter schlafend auf dem Nistkastenboden hockend oder wie einen schimpfenden, brummenden Teufel den Zugriff verwehrend. Man hüte sich, alte Siebenschläfer anzufassen. Sie beissen unsere Finger glatt durch! Jungtiere, die man auf diese Weise im August oder gar anfangs September noch reichlich findet, sind hingegen völlig harmlos.

Haltung

Als Schaubehälter kommt nichts in Frage, was aus Holz besteht, sonst beweist der Siebenschläfer sehr bald, dass er ein vortreffliches Nagetier ist. Die Behausung sollte eine Grundfläche von 50 cm x 50 cm haben und mindestens 70 cm hoch sein. Sehr gut eignet sich ein ganz grosser Vogelkäfig mit plastifiziertem Drahtgitter (Abstand der Gitterdrähte ≤ 1 cm) und abnehmbarer Bodenwanne. Wenn wir selber einen Käfig basteln wollen, verwenden wir am besten Leichtmetallprofile für die Herstellung des Rahmens, Aluminiumblech, Glasscheiben und sehr starkes, rostfreies Drahtgitter mit einer Maschenweite von 1 cm für Wände, Boden, Decke und Dachaufsatz. Anstelle des Dachaufsatzes, der als Schlafraum dient, können wir auch einen kleinen Vogelnistkasten (12 cm x 12 cm, 20 cm hoch, Lochdurchmesser 4 cm) im Käfig befestigen. Reich verzweigte Äste sollen als Turngerät und halbe Kokosnussschalen als Versteckmöglichkeiten dienen. Auf den Boden legen wir trockenes Laub, Heu und Torfmull. Der Siebenschläfer polstert dann damit seine Schlafstätte.

Selbstverständlich müssen wir unseren Pflegling regelmässig füttern und peinlich sauber halten. Der Käfig sollte alle drei Tage gereinigt werden. Der Siebenschläfer will auch anregend unterhalten sein. Jedes Säugetier weiss einen – allerdings in der Regel nicht allzu engen – Kontakt zu schätzen, und fast alle danken das durch Anhänglichkeit. In einem Schlafzimmer können diese Tiere allerdings erheblich stören, wenn sie nachts mit ihren Turnübungen und Lumpereien beginnen.

Speisezettel (erprobt)

Jungtiere lassen sich ohne Schwierigkeiten aufziehen, wenn man die Mühe nicht scheut, sie mindestens tagsüber jede Stunde mit verdünnter Milch aus einem Puppenschoppen zu säugen. Bald fressen sie aber feste Kost:

Von Wildpflanzen: Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, Walnüsse, Ahornsamen, Rosskastanien; Erd-, Him- und Brombeeren; Knospen, Blüten, frisches Laub, Rinden verschiedener Laubbäume.

Von Kulturpflanzen: Sonnenblumensamen, Mais, Erdnüsschen, Kirschen, Ananas, Aprikosen, Pfirsiche, Zwetschgen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Tomaten, Orangen, Bananen, Trauben, Datteln, Steinfrüchte (mit Steinen); Salat, Blumenkohl, Karotten.

Sonstiges: Brot, Honig, Konfitüre, Schokolade, Zucker; gelegentlich etwas rohes Fleisch, Maikäfer, Junikäfer, Mehlwürmer.

Flüssigkeiten: immer frisches Wasser; ab und zu saure Milch, alle Fruchtsäfte

Körperbau

Siebenschläfer sind im Vergleich mit den Haselmäusen recht stattliche Tiere. Sie erreichen mit dem buschig behaarten Schwanz zusammen etwa 30 cm und wiegen im Sommer um die 100 Gramm. Wenn es auf den Winter zugeht, sind sie dank dem Speicherfett fast doppelt so schwer. Sie besitzen ein überaus feines Gehör. Wenn sie lauschen, kippen sie die Ohrmuscheln abwechselnd nach vorn, und zwar zweimal pro Sekunde. Auch das Geruchsvermögen ist sehr gut entwickelt und gestattet das Wahrnehmen von Früchten auf recht grosse Distanzen. Die besten Leistungen erbringt aber der Tastsinn. Mit den bis zu 6 cm langen Schnurrhaaren tastet das Nachttier die Gegenstände ab, während sich die Nase schnuppernd bewegt. Durch das rasche Einziehen der Luft entsteht oft ein leises Piepsen.

Als ausgesprochenes Baumtier kann der Siebenschläfer sehr wendig klettern und Sprünge bis zu einem Meter bewältigen. Die spitzen Krallen und die klebrige Ausscheidung der Sohlen sind ihm dabei eine wichtige Hilfe. Der Schwanz dient bei all den Klettereien und Sprüngen, aber auch beim Sitzen als Balancierstange.

Wochenstube

Leider können wir die Geburt und die Kinderstube der kleinen Siebenschläfer nicht ohne weiteres beobachten. Nach einer Tragzeit von einem Monat werden drei bis zehn nackte und blinde Junge geboren. Die Mutter bringt sie in einer von ihr zurechtgerichteten und mit Laub und Heu ausgepolsterten Höhle unter einem Baumstrunk, in einer Felsspalte, in einer Baumhöhle oder in einem Vogelnistkasten zur Welt und säugt sie mindestens drei Wochen lang. Dazu sitzt sie breitbeinig über ihre auf dem Rücken liegenden Jungen. Nach gut zwei Wochen sind die Kinder behaart, nach einer weiteren Woche öffnen sie die Augen, und bald nachher beginnen sie in der näheren Umgebung des Nestes herumzuklettern. Vielfach bleibt die Familie, allerdings meist ohne den Vater, bis zum nächsten Sommer beieinander.

Winterschlaf

Für den Winterschlaf graben sich die meisten Bilche mindestens einen halben Meter tief ins Erdreich ein. Die bequemen unter ihnen nehmen mit einer gut geschützten Felsspalte, einem ausgefaulten Astloch oder mit dem Dachboden eines waldnahen Gebäudes vorlieb. Sie rollen sich so zusammen, dass der Schwanz über den Kopf zu liegen kommt und klappen die Ohrmuscheln über den Gehörgang. Mit der verkleinerten Oberfläche sparen sie soviel Energie wie möglich. Die «Heizung» kann auf Sparflamme brennen, und so reichen die Fettvorräte bis zum nächsten Frühjahr. In Gefangenschaft braucht der Sieben-schläfer nicht unbedingt einen sieben Monate lang dauernden Winterschlaf. Man sollte ihn aber doch mindestens zwei Monate lang bei einer Temperatur zwischen 0–4 Grad Celsius halten, weil er so älter wird, als wenn man ihn nicht winterschlafen lässt. Für die kurzen Aufwachperioden stellt man ihm einige unverderbliche Nahrungsvorräte in den Käfig. Hält man ihn in einem mehr oder weniger geheizten Raum, so bleibt er wach. In diesem Fall braucht er jeden Tag Futter und natürlich auch zu trinken.

Lebenserwartung

In der freien Natur liegt die durchschnittliche Lebenserwartung des Siebenschläfers bei 6 Jahren. Unter besten Bedingungen erreicht er ein Alter von höchstens 8–10 Jahren. So alt wird er auch in Gefangenschaft, wenn man ihm die richtige Pflege angedeihen lässt. Man sollte ihn aber erst dann für längere Zeit aufnehmen, wenn man mit der Haltung von Meerschweinchen oder Hamstern genügend Erfahrungen gesammelt hat. Dann wird das zierliche und nachtsüber äusserst lebhafte Graupelzchen zu einem dankbaren Spielgefährten.

Siebenschläfer sind drollige Nagetiere

Aufzucht der Jungtiere

Junge Siebenschläfer säugt man 2–3 Wochen lang tagsüber stündlich mit verdünnter Milch, später mit Gemüsebrei für Säuglinge. Bald fressen sie die ersten Maiskörner.

Vorkommen

Vom Mai bis in den Herbst hinein finden wir den Siebenschläfer in Laubmischwäldern. Im Winter verbringt er sieben Monate im ab und zu unterbrochenen Winterschlaf.

Körperbau

Ein Siebenschläfer erreicht mit dem Schwanz zusammen eine Länge von 30 cm und wiegt im Sommer etwa 100 g, kurz vor dem Winterschlaf mit dem zusätzlichen Speicherfett sogar 200 g.

Schlaf- und Ruhestellen des Siebenschläfers

  1. Die meisten Nester der Siebenschläfer finden wir auf Bäumen. Gelegentlich bezieht er ein verlassenes Vogelnest, das er zu einer weich und warm gepolsterten Kugel ausbaut.
  2. Er benützt nicht ungern leere Spechthöhlen, nimmt aber ab und zu auch einmal mit einem geeigneten Hohlraum unter einem Wurzelstrunk vorlieb.
  3. Für die Aufzucht seiner bis zehn Kinder belegt der Siebenschläfer nicht ungern einen freien Nistkasten. Beim Öffnen dieser Wohnungen ist Vorsicht geboten: Die Mutter beisst sehr schnell und kräftig in unsere Finger. Die Jungen sind hingegen völlig harmlos.

Zur Lebensweise der Siebenschläfer

Jakob Forster

Von Jakob Forster

Jakob Forster hat an der Universität Zürich Biologie für angehende Sekundar- und Bezirkslehrer unterrichtet. Er erhielt 1976 den Kulturpreis der Stadt Winterthur und ist seit 1982 Mitglied der Naturschutzkommission der Stadt Winterthur.

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