Tiere

Tiere im Wald

Tiere im Wald? Klar doch: Hirsche, Rehe, Füchse, Dachse und Spechte. Doch diese Tierarten bilden nur einen kleinen Ausschnitt unserer Waldfauna. Siebenschläfer, Haselmaus, Igel, Waldkauz, Reptilien, Schnecken, Spinnen, Insekten und viele weitere sind ebenso ein wichtiger Teil der reichen Tierwelt, die sich in unseren Wäldern beobachten lässt. Der Winterthurer Biologe Jakob Forster hat zahlreiche verschiedene Tiere aufgespürt und ihre Lebensräume und Lebensgewohnheiten beschrieben. Fast 100 Skizzen und über 230 fantastische Bilder runden seine faszinierende Dokumentation unserer Waldfauna ab.

Säugetiere und Vögel

Siebenschläfer

Der Siebenschläfer gehört, zusammen mit der zierlichen Haselmaus, dem Garten- und dem Baumschläfer, zur Familie der Bilche oder Schläfer. Er trägt seinen Namen zu Recht, verbringt er doch rund sieben Monate im Winterschlaf, den er allerdings ab und zu unterbricht.

Lebensraum

Vom Mai an bis in den Herbst hinein finden wir den Siebenschläfer in Laubmischwäldern, vor allem in Eichenbeständen. Wenn wir gerne einmal einen solchen Graupelz als «Haustier» halten möchten, stellen wir uns im Spätsommer bei einem Vogelschutzverein zur Verfügung, um im Wald Vogelnistkästen putzen zu helfen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit finden wir dann einen dieser Untermieter schlafend auf dem Nistkastenboden hockend oder wie einen schimpfenden, brummenden Teufel den Zugriff verwehrend. Man hüte sich, alte Siebenschläfer anzufassen. Sie beissen unsere Finger glatt durch! Jungtiere, die man auf diese Weise im August oder gar anfangs September noch reichlich findet, sind hingegen völlig harmlos.

Haltung

Als Schaubehälter kommt nichts in Frage, was aus Holz besteht, sonst beweist der Siebenschläfer sehr bald, dass er ein vortreffliches Nagetier ist. Die Behausung sollte eine Grundfläche von 50 cm x 50 cm haben und mindestens 70 cm hoch sein. Sehr gut eignet sich ein ganz grosser Vogelkäfig mit plastifiziertem Drahtgitter (Abstand der Gitterdrähte ≤ 1 cm) und abnehmbarer Bodenwanne. Wenn wir selber einen Käfig basteln wollen, verwenden wir am besten Leichtmetallprofile für die Herstellung des Rahmens, Aluminiumblech, Glasscheiben und sehr starkes, rostfreies Drahtgitter mit einer Maschenweite von 1 cm für Wände, Boden, Decke und Dachaufsatz. Anstelle des Dachaufsatzes, der als Schlafraum dient, können wir auch einen kleinen Vogelnistkasten (12 cm x 12 cm, 20 cm hoch, Lochdurchmesser 4 cm) im Käfig befestigen. Reich verzweigte Äste sollen als Turngerät und halbe Kokosnussschalen als Versteckmöglichkeiten dienen. Auf den Boden legen wir trockenes Laub, Heu und Torfmull. Der Siebenschläfer polstert dann damit seine Schlafstätte.

Selbstverständlich müssen wir unseren Pflegling regelmässig füttern und peinlich sauber halten. Der Käfig sollte alle drei Tage gereinigt werden. Der Siebenschläfer will auch anregend unterhalten sein. Jedes Säugetier weiss einen – allerdings in der Regel nicht allzu engen – Kontakt zu schätzen, und fast alle danken das durch Anhänglichkeit. In einem Schlafzimmer können diese Tiere allerdings erheblich stören, wenn sie nachts mit ihren Turnübungen und Lumpereien beginnen.

Speisezettel (erprobt)

Jungtiere lassen sich ohne Schwierigkeiten aufziehen, wenn man die Mühe nicht scheut, sie mindestens tagsüber jede Stunde mit verdünnter Milch aus einem Puppenschoppen zu säugen. Bald fressen sie aber feste Kost:

Von Wildpflanzen: Eicheln, Bucheckern, Haselnüsse, Walnüsse, Ahornsamen, Rosskastanien; Erd-, Him- und Brombeeren; Knospen, Blüten, frisches Laub, Rinden verschiedener Laubbäume.

Von Kulturpflanzen: Sonnenblumensamen, Mais, Erdnüsschen, Kirschen, Ananas, Aprikosen, Pfirsiche, Zwetschgen, Pflaumen, Äpfel, Birnen, Tomaten, Orangen, Bananen, Trauben, Datteln, Steinfrüchte (mit Steinen); Salat, Blumenkohl, Karotten.

Sonstiges: Brot, Honig, Konfitüre, Schokolade, Zucker; gelegentlich etwas rohes Fleisch, Maikäfer, Junikäfer, Mehlwürmer.

Flüssigkeiten: immer frisches Wasser; ab und zu saure Milch, alle Fruchtsäfte

Körperbau

Siebenschläfer sind im Vergleich mit den Haselmäusen recht stattliche Tiere. Sie erreichen mit dem buschig behaarten Schwanz zusammen etwa 30 cm und wiegen im Sommer um die 100 Gramm. Wenn es auf den Winter zugeht, sind sie dank dem Speicherfett fast doppelt so schwer. Sie besitzen ein überaus feines Gehör. Wenn sie lauschen, kippen sie die Ohrmuscheln abwechselnd nach vorn, und zwar zweimal pro Sekunde. Auch das Geruchsvermögen ist sehr gut entwickelt und gestattet das Wahrnehmen von Früchten auf recht grosse Distanzen. Die besten Leistungen erbringt aber der Tastsinn. Mit den bis zu 6 cm langen Schnurrhaaren tastet das Nachttier die Gegenstände ab, während sich die Nase schnuppernd bewegt. Durch das rasche Einziehen der Luft entsteht oft ein leises Piepsen.

Als ausgesprochenes Baumtier kann der Siebenschläfer sehr wendig klettern und Sprünge bis zu einem Meter bewältigen. Die spitzen Krallen und die klebrige Ausscheidung der Sohlen sind ihm dabei eine wichtige Hilfe. Der Schwanz dient bei all den Klettereien und Sprüngen, aber auch beim Sitzen als Balancierstange.

Wochenstube

Leider können wir die Geburt und die Kinderstube der kleinen Siebenschläfer nicht ohne weiteres beobachten. Nach einer Tragzeit von einem Monat werden drei bis zehn nackte und blinde Junge geboren. Die Mutter bringt sie in einer von ihr zurechtgerichteten und mit Laub und Heu ausgepolsterten Höhle unter einem Baumstrunk, in einer Felsspalte, in einer Baumhöhle oder in einem Vogelnistkasten zur Welt und säugt sie mindestens drei Wochen lang. Dazu sitzt sie breitbeinig über ihre auf dem Rücken liegenden Jungen. Nach gut zwei Wochen sind die Kinder behaart, nach einer weiteren Woche öffnen sie die Augen, und bald nachher beginnen sie in der näheren Umgebung des Nestes herumzuklettern. Vielfach bleibt die Familie, allerdings meist ohne den Vater, bis zum nächsten Sommer beieinander.

Winterschlaf

Für den Winterschlaf graben sich die meisten Bilche mindestens einen halben Meter tief ins Erdreich ein. Die bequemen unter ihnen nehmen mit einer gut geschützten Felsspalte, einem ausgefaulten Astloch oder mit dem Dachboden eines waldnahen Gebäudes vorlieb. Sie rollen sich so zusammen, dass der Schwanz über den Kopf zu liegen kommt und klappen die Ohrmuscheln über den Gehörgang. Mit der verkleinerten Oberfläche sparen sie soviel Energie wie möglich. Die «Heizung» kann auf Sparflamme brennen, und so reichen die Fettvorräte bis zum nächsten Frühjahr. In Gefangenschaft braucht der Sieben-schläfer nicht unbedingt einen sieben Monate lang dauernden Winterschlaf. Man sollte ihn aber doch mindestens zwei Monate lang bei einer Temperatur zwischen 0–4 Grad Celsius halten, weil er so älter wird, als wenn man ihn nicht winterschlafen lässt. Für die kurzen Aufwachperioden stellt man ihm einige unverderbliche Nahrungsvorräte in den Käfig. Hält man ihn in einem mehr oder weniger geheizten Raum, so bleibt er wach. In diesem Fall braucht er jeden Tag Futter und natürlich auch zu trinken.

Lebenserwartung

In der freien Natur liegt die durchschnittliche Lebenserwartung des Siebenschläfers bei 6 Jahren. Unter besten Bedingungen erreicht er ein Alter von höchstens 8–10 Jahren. So alt wird er auch in Gefangenschaft, wenn man ihm die richtige Pflege angedeihen lässt. Man sollte ihn aber erst dann für längere Zeit aufnehmen, wenn man mit der Haltung von Meerschweinchen oder Hamstern genügend Erfahrungen gesammelt hat. Dann wird das zierliche und nachtsüber äusserst lebhafte Graupelzchen zu einem dankbaren Spielgefährten.

Siebenschläfer sind drollige Nagetiere

Aufzucht der Jungtiere

Junge Siebenschläfer säugt man 2–3 Wochen lang tagsüber stündlich mit verdünnter Milch, später mit Gemüsebrei für Säuglinge. Bald fressen sie die ersten Maiskörner.

Vorkommen

Vom Mai bis in den Herbst hinein finden wir den Siebenschläfer in Laubmischwäldern. Im Winter verbringt er sieben Monate im ab und zu unterbrochenen Winterschlaf.

Körperbau

Ein Siebenschläfer erreicht mit dem Schwanz zusammen eine Länge von 30 cm und wiegt im Sommer etwa 100 g, kurz vor dem Winterschlaf mit dem zusätzlichen Speicherfett sogar 200 g.

Schlaf- und Ruhestellen des Siebenschläfers

  1. Die meisten Nester der Siebenschläfer finden wir auf Bäumen. Gelegentlich bezieht er ein verlassenes Vogelnest, das er zu einer weich und warm gepolsterten Kugel ausbaut.
  2. Er benützt nicht ungern leere Spechthöhlen, nimmt aber ab und zu auch einmal mit einem geeigneten Hohlraum unter einem Wurzelstrunk vorlieb.
  3. Für die Aufzucht seiner bis zehn Kinder belegt der Siebenschläfer nicht ungern einen freien Nistkasten. Beim Öffnen dieser Wohnungen ist Vorsicht geboten: Die Mutter beisst sehr schnell und kräftig in unsere Finger. Die Jungen sind hingegen völlig harmlos.

Zur Lebensweise der Siebenschläfer

Haselmaus

Lebensraum und Lebensgewohnheiten

Begegnungen mit Haselmäusen gehören schon nicht zum Alltäglichen. Umso mehr freut es uns, wenn wir beim Durchstöbern buschiger Waldränder plötzlich vor einem kugeligen, kunstvoll mit Gräsern verarbeiteten Nest stehen, das knapp zwei Meter über dem Boden zwischen kleinen Ästen eines Strauches befestigt ist. Wir nähern uns langsam und merken bald, dass hier keine Vögel nisten. Das Nest scheint eine vollkommen geschlossene Hohlkugel zu sein. Von der Neugierde gepackt, drücken wir sorgfältig einige Äste zur Seite, und schon huschen drei, vier kleine, rotbraune Haarknäuelchen nebst einem grösseren aus dem kaum sichtbaren, seitlichen Loch des Nestes. Die Haselmausmutter und ihre Jungen flüchten vor einem unbekannten Feind, der ihre Wohnung erschüttert, anders, als dies der Wind tut. Sie springen nicht weit weg, aber die kurzen Strecken legen sie mit traumwandlerischer Sicherheit zurück. Über dünnste Zweige, ja sogar über Blattstiele und Blätter springen sie in die nächste Deckung. Es sind wahre Seiltänzer. Nur wer jetzt eine halbe Stunde stille stehen kann, wird die Tiere nicht aus den Augen verlieren. Die Haselmäuse äugen aufmerksam nach dem Störefried, und die zierlichen, runden Ohren sind auch stets in Bewegung. Ab und zu vernehmen wir ein ganz hohes Piepsen. Die Töne liegen an der Schallgrenze unserer Ohren und darüber, also zum Teil im Ultraschallbereich.

Wenn sich die Tiere sicher fühlen, beginnen sie an einer Knospe zu knabbern oder aus einem Blatt winzig kleine Löcher herauszubeissen. Beim genauen Hinsehen gleichen grosse Teile des Buschblätterdaches über dem Nest einem feinen Sieb. Lange dauert aber diese Mahlzeit nicht; bald trachten die Haselmäuse wieder danach, zu ihrem Nest zu gelangen, wo sie den Rest des Tages verschlafen wollen. Sie gehören nämlich zu den Dämmerungs- und Nachttieren und verlassen tagsüber die Schlafstube nur bei vermeintlicher oder wirklicher Gefahr. Diese Tatsache ist sicher auch der Hauptgrund, warum wir sie nur selten zu Gesicht bekommen und gar nicht so viel über sie wissen. Ähnliches gilt auch für ihre Verwandten, die Garten-, Baum- und Siebenschläfer. Mit diesen zusammen gehören die Haselmäuse zur Nagetierfamilie der Schläfer oder Bilche.

Winterschlaf

Die Haselmäuse gehören zu den echten Winterschläfern. Im Spätherbst legen sie in hohlen Baumstümpfen, unter grossen Steinen, in lockerem Mauerwerk oder gar nur in Bodenvertiefungen ein äusserst sorgfältiges Winternest an. Faseriges Material verschiedenster Pflanzen wird mit dem klebrigen Speichel verkittet und das Innere mit Laub, Gras und Moos ausgepolstert. Mitte Oktober verfallen sie dann in einen tiefen Winterschlaf, den sie in der Regel wenig unterbrechen. Oft liegen mehrere Tiere beieinander. Alle sind fast kugelrund zusammengerollt, haben die Vorderpfoten ans Gesicht gepresst und den Schwanz dazwischen über das Köpfchen gelegt. Der Winterschlaf ist nur bei Tieren möglich, die in der Lage sind, ihre Wärmeregulation umzuschalten. Das können allerdings nur wenige. Die anderen Tiere gleichen tiefe Aussentemperaturen durch gesteigerte Atmung und erhöhten Nahrungsverbrauch, zum Teil auch durch Anzehren ihrer Fettreserven aus. Sind dann die im Körper gespeicherten Vorräte erschöpft, so erkalten sie langsam. Sinkt die Körpertemperatur auf etwa 20 Grad ab, so arbeiten bestimmte Teile des Gehirns nicht mehr, und der Tod tritt ein.

Die echten Winterschläfer gleichen tiefe Aussentemperaturen zuerst auch durch vermehrte Atmung und durch grösseren Nahrungsverbrauch aus. Wird es aber immer kälter, so sind sie in der Lage, auch ihre Körpertemperatur absinken zu lassen. Dabei fallen sie in einen tiefen Schlaf, der mit einer todesähnlichen Starre verbunden ist. So atmet jetzt auch die Haselmaus viele Male langsamer, ihr Herz schlägt nur noch ein paarmal pro Minute, und ihr Blut-druck sinkt erheblich. Aber auch bei Winterschläfern darf die Körpertemperatur nicht beliebig weit absinken. Wenn sie eine untere Grenze von etwa fünf Grad erreicht, wird es selbst für diese Tiere gefährlich. Sie erliegen aber dem Kältetod nicht, wenn ihr «Temperaturfühler» schnellere Herz- und Atemtätigkeiten auslöst, die die Tiere wieder aufwärmen oder gar wecken, damit sie einen geschützteren Ort aufsuchen können. Auch bei günstigen Bedingungen schläft kein Tier den ganzen Winter pausenlos durch. So weiss man vom Murmeltier, dass es während seines gut fünfmonatigen Winterschlafes etwa sechsmal aufwacht.

Aufzucht der Jungen

Im Monat April weckt die wieder stärker wärmende Sonne unsere Haselmäuse. In dieser Jahreszeit kann man sie auch am besten beobachten, denn ihr Lebensraum, die niederen Büsche, sind noch laubfrei. Sie beginnen bald mit dem Bau eines Sommernestes, in welchem einige Wochen später die ersten 3–7 Jungen zur Welt kommen. Diese sind anfänglich noch nackt und blind, werden etwa einen Monat lang gesäugt, wachsen dann aber rasch und sind bereits im Spätsommer selbständig. Zu dieser Zeit werfen deren Mütter meistens noch einmal 3–5 Junge. Im Herbst ist ja der Tisch reich gedeckt mit Samen, Obst, Beeren und Insekten aller Art, so dass auch der zweite Wurf bis zum Einbruch des Winters genügend Reserven anlegen kann. Ganz besonders schätzen die Tiere die Haselnüsse, die sie in der Regel aufraspeln und leeren, ohne sie abzupflücken.

Haltung in Gefangenschaft

Die Haselmaus steht wie alle Schläfer unter Naturschutz. Findet man aber ein ganz kleines, mutterloses Tier, so säugt man es mit verdünnter Milch aus einer Puppenflasche und verwendet dann als feste Nahrung zerquetschte Beeren und Nüsse. Wenn die herangewachsene Haselmaus in Gefangenschaft keinen Winterschlaf antreten will, muss man sie durchfüttern. Dazu eignen sich Kopf-, Chicorée- und Nüsslisalat, Haselwürstchen und -nüsse, verschiedene Beeren, Wasser und verdünnte Milch. Da die Haltung eines jeden Tieres viel Geduld und Verständnis erfordert, soll man auch eine Haselmaus nur dann bei sich behalten, wenn man ihr ein ideales Ersatzheim bieten kann.

Lebensraum und Fortpflanzung der Haselmäuse

Nest

Die Haselmaus baut ihr kugeliges, kunstvoll geflochtenes Nest in reich verzweigten Sträuchern, die an geschützten und wenig begangenen Waldrändern liegen. Sie steigt dazu 2–3 m über den Boden und verwendet als Baumaterialien dürres Laub, Moos und Gras. Haselmausnester sind oben immer zu; der Eingang liegt auf der am meisten geschützten Seite.

Fortpflanzung

Das Nest dient in erster Linie für die Aufzucht der 3–4 Jungen, die nach einer Tragzeit von 25 Tagen Ende Mai, anfangs Juni auf die Welt kommen. In günstigen Jahren wirft die Mutter im Herbst noch ein zweites Mal.

Nach 18 Tagen öffnen die Kinder ihre Augen. Sie werden etwa einen Monat lang gesäugt und machen sich dann nach einem weiteren Monat selbständig. Bereits im nächsten Sommer sind sie geschlechtsreif und leben dann noch etwa 2–3 Jahre.

Lebensgewohnheiten der Haselmäuse

Nächtliche Lebensweise

Haselmäuse sind Dämmerungs- und Nachttiere und verlassen ihre Nester tagsüber nur bei drohender Gefahr. Sie bewegen sich mit traumwandlerischer Sicherheit auch über dünne Äste und selbst über Blätter.

Nahrung

Sie fressen Beeren, Sämereien, Haselnüsse, Knospen, feine Rindenteile und gelegentlich auch kleine Insekten. Sie verraten ihren Neststandort vielfach, weil sie aus den Blättern der näheren Umgebung siebartig Löcher herausraspeln.

Überwinterung

Haselmäuse überwintern in Baumhöhlen, unter grösseren Steinen oder in lockerem Mauerwerk. Sie bauen sich ein äusserst sorgfältig abgedichtetes Winternest und rollen sich darin kugelartig ein, pressen die Vorderpfoten ans Gesicht und legen den Schwanz dazwischen über den Kopf.

Waldmaus

Über den Winterschlaf der Warmblüter

Verschiedene Reaktionsmöglichkeiten auf Temperaturänderungen

Zu den Warmblütern rechnen wir alle jene Tiere, die sich durch stets mehr oder weniger gleich hohe Eigentemperaturen auszeichnen, also die Säugetiere und die Vögel. Im Gegensatz dazu passen die wechselwarmen Tiere ihre Körpertemperatur in gewissen Grenzen den jeweiligen Aussentemperaturen an. Zu diesen Tieren gehören alle Wirbellosen und von den Wirbeltieren die Fische, Amphibien und Reptilien.

Eine Reihe von Säugetieren, denen während der kalten Jahreszeit nicht mehr genügend Nahrung zur Verfügung steht, hat die erstaunliche Fähigkeit entwickelt, alle lebenswichtigen Vorgänge im Körper auf Sparschaltung zu stellen und in einen tiefen Schlaf zu fallen. Das wichtigste Merkmal ist das Absinken der Körpertemperatur auf meist wenige Grade über dem Nullpunkt. Das wärmeregulierende Zentrum im Gehirn wird dazu vorübergehend ausgeschaltet.

Zu den Winterschläfern gehören vor allem stammesgeschichtlich ältere Säugetiere wie der Igel, die Fledermäuse, das Murmeltier, der Siebenschläfer, die Haselmaus und andere mehr. Man zählt sie zu den niederen Warmblütern, währenddem beispielsweise alle Raubtiere zu den höheren Warmblütern gehören und keinen Winterschlaf kennen.

Alle Warmblüter verhalten sich bei sinkenden Temperaturen zunächst gleich. Sie atmen schneller, verbrauchen mehr Nährstoffe und bewegen sich kräftiger und schneller. In unseren modernen Häusern arbeiten die Ölbrenner bei Kälteeinbrüchen in ähnlicher Weise, ebenso automatisch wie die Warmblüter. Nicht alle Säugetiere sind in der Lage, der Abkühlung über längere Zeit zu trotzen und andauernd aufzuheizen. So erstarren zum Beispiel viele anfänglich noch quicklebendige Mäuse, Spitzmäuse und Maulwürfe schon nach wenigen kalten Nachtstunden in ihren Fallen, weil sie ohne neue Nährstoffe nicht mehr fähig sind, ihre Körpertemperatur zu halten. Der Kältetod tritt ein, denn schon bei einer Körpertemperatur von 20° wird das Atemzentrum gelähmt. Diese Tatsache müssen auch die Ärzte berücksichtigen, wenn sie vor einer schwierigen Operation den menschlichen Körper so stark abkühlen, dass sich alle Lebensfunktionen verlangsamen. Das Atemzentrum, ein wichtiger Teil des Gehirns, muss, wenn auch stark reduziert, weiterarbeiten.

Umschaltung der Wärmeregulation

Der Winterschläfer kann seine Wärmeregulation umschalten und damit die Körpertemperatur auf fast null Grad absinken lassen. Er passt sie der Umgebungstemperatur an, verfällt in tiefen Schlaf und kann so enorm Nährstoffe sparen. Allerdings darf sich auch sein Körper nicht unter den Gefrierpunkt abkühlen. Dies würde auch bei ihm unweigerlich zum Tode führen. Beim Erreichen der Minimaltemperatur, die im allgemeinen zwischen null und fünf Grad liegt, wird die Wärmeregulation wieder automatisch eingeschaltet; das noch schlafende Tier setzt seine «Heizung» wieder auf eine höhere Stufe und erwacht allmählich. Die Heizungstechniker haben diese Einrichtung kopiert: Ein Thermostat in der Wohnung reagiert auf das Absinken der Zimmertemperatur unter beispielsweise 20 Grad und bewirkt das Einschalten des Ölbrenners.

Für die Igel gelten folgende kritische Körpertemperaturen: Unter 14.5 Grad tritt fester Winterschlaf ein und bei 1 Grad über dem Nullpunkt erwachen sie wieder, damit sie nicht erfrieren. Bei den Fledermäusen liegen die kritischen Temperaturen bei 10 beziehungsweise 2 Grad.

Der Winterschlaf wird vorbereitet

Schon lange vor dem Winterkälteeinbruch treffen die meisten Winterschläfer Vorbereitungen für ein sicheres Überstehen der kalten Jahreszeit. Sie zeigen damit die innere Bereitschaft für den Winterschlaf. Das Murmeltier wandert aus den höheren Gebirgslagen an tiefer gelegene Stellen, wo es seinen Winter-bau hat. Dieser besteht aus einer langen Röhre, die schräg nach unten in einen geräumigen, mit Heu ausgepolsterten Kessel führt. Darin legen sich meistens ganze Familien mit zehn und mehr Mitgliedern für den langen Schlaf zurecht, nachdem sie die Zugangsröhre sorgfältig mit steiniger Erde verrammelt haben.

Der Igel macht hingegen keine grossen Umstände. Sein Winternest gleicht einem Sommernest und liegt oberflächlich in einem Laub- oder Komposthaufen oder im Schutze einer dicht verwachsenen Hecke. Er polstert seine Schlafstätte nur wenig. Ab und zu finden sich an der gleichen Stelle auch mehrere Igel ein, die aber nicht so eng beieinander liegen wie die Murmeltiere.

Die Fledermäuse begnügen sich mit Ritzen und Spalten einer Höhle, aber auch ältere Bauten mit ruhigen Kellern, Türmen oder einem vernachlässigten Estrich sind gut genug. Hier hangen sie dann Winter für Winter an den gleichen Stellen, indem sie sich mit den Krallen der Hinterfüsse festhaken.

Siebenschläfer und Haselmäuse überwintern in Baumhöhlen, lockerem Mauer-werk oder unter grossen Steinen. Der Siebenschläfer ist auch in der Lage, sich tief in den Boden einzugraben und sich so vor allzu grosser Kälte zu schützen, währenddem die Haselmaus dieser Gefahr mit dem Anlegen eines äusserst sorgfältig abgedichteten Winternestes zu begegnen sucht. Beide rollen sich kugelartig ein, pressen die Vorderpfoten ans Gesicht und legen den Schwanz dazwischen über den Kopf.

Die Lebensvorgänge während des Winterschlafes

Wir wissen, dass sich die Lebensvorgänge in dem Masse vermindern, wie die Körpertemperatur sinkt. Eine Temperaturabnahme um 10 Grad bewirkt eine Reduktion auf die Hälfte, eine solche um 20 Grad eine solche auf einen Viertel usw. Im Winterschlaf brennt das Leben auf kleinster Sparflamme. Der Igel macht pro Minute noch einen Atemzug (im Wachzustand: 50 pro Minute, im Tagesschlaf noch 20 pro Minute). Die Tätigkeit des Grosshirns erlischt und die grossen Nervenstränge werden abgeschaltet. Die Augen sind verschlossen, und auch das Gehör nimmt keine Geräusche mehr wahr. Nur ein Reiz weckt den Winterschläfer: Die kritische Kältestufe von etwa 4 Grad wird registriert und ins Gehirn weitergeleitet.

Zur Erhaltung des kleinen Lebensfunkens reichen die im Körper aufgespeicherten Fettvorräte aus. Das Reservefett wird während der warmen Jahreszeit unter der Haut in einer sehr dicken Schicht abgelagert, ausserdem zwischen den Eingeweiden.

Die meisten Winterschläfer kennen keinen durchgehenden Schlaf. So unterbricht ihn das Murmeltier etwa alle drei bis vier Wochen, in den gut fünf Monaten also sechsmal. An jedem dieser sechs Wachtage verliert es ungefähr ebensoviel Gewicht wie in den Tagen einer vierwöchigen Schlafperiode zusammen. Das Aufheizen des Körpers und das Erwachen brauchen eben sehr viel Energie. Der Hamster hat nur sehr kurze Schlafzeiten. Er wacht alle fünf Tage auf und benötigt darum viele Reservestoffe. Er legt vor der Winterschlafperiode recht zahlreiche Vorräte an, denn seine Fettreserven würden allein den Bedarf nie decken. Auch der Igel erwacht bisweilen für einige Stunden und sucht vielleicht nach Nahrung, weil seine Fettvorräte nicht ausreichen, wenn er mehrmals aufheizen muss. Wenn wir im Winter einen umherstreunenden Igel finden, müssen wir ihn füttern, wenn er die nächste Schlafperiode überstehen soll.

Über das Halten und Pflegen von Winterschläfern

Es ist ohne weiteres möglich, Hamster, Haselmäuse, Siebenschläfer und Igel über den Winter wach zu halten, wenn wir den Tieren einen geheizten Raum zur Verfügung stellen und wenn wir sie wie im Sommerhalbjahr füttern. Der Winterschlaf ist ja nur nötig, wenn sie durch den Nahrungsmangel und durch die grossen «Unkosten für die Heizung» gezwungen werden, ihre Lebensvorgänge auf das lebensnotwendige Minimum zu reduzieren. Bestimmten Untersuchungen zufolge soll allerdings die Lebenserwartung derjenigen Winterschläfer, die man mehr als einen Winter über wach hält, etwas kleiner sein.

Körpertemperaturen, Atem- und Herzfrequenzen beim Murmeltier
Zustand des Murmeltieres Temperatur Atemfrequenz Herzfrequenz
wach 34–39° 25–30 Züge/min 80 Schläge/min
im Winterschlaf um 3° 1 Zug/5 min 4–5 Schläge/min
aus dem Winterschlaf erwachend steigt bis auf 37° steigt bis auf 67 Züge/min steigt bis über 200 Schläge/min

Verlauf der Körpertemperatur bei verschiedenen Tiergruppen, wenn die Umgebungstemperatur abnimmt

K: Kritische Umgebungstemperatur: Temperatur, die Winterschläfer veranlasst, auf den Dauerschlaf umzustellen
M: Minimale Körpertemperatur: Sinkt die Körpertemperatur der Winterschläfer wegen der tiefen Umgebungstemperatur unter 4°, schaltet ihre Wärmeregulation wieder automatisch ein.

Sinkt die Umgebungstemperatur, so sinkt auch die Körpertemperatur der wechselwarmen Tiere. Die Warmblüter aber heizen ihren Körper auf:

  • Vögel halten ihre Körpertemperatur auf etwa 42°.
  • Säuger ohne Winterschlaf halten ihre Körpertemperatur auf etwa 37°. Einzelne können bei tiefen Umgebungstemperaturen in Schwierigkeiten geraten und erleiden dann unter Umständen den Kältetod.
  • Winterschläfer schalten bei einer Aussentemperatur von unter 20° ihre Wärmeregulation um, fallen in einen tiefen Schlaf und sparen so Nährstoffe. Sinkt ihre Körpertemperatur unter 4°, erwachen sie automatisch.

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Jakob Forster

Jakob Forster hat an der Universität Zürich Biologie für angehende Sekundar- und Bezirkslehrer unterrichtet. Er erhielt 1976 den Kulturpreis der Stadt Winterthur und ist seit 1982 Mitglied der Naturschutzkommission der Stadt Winterthur.

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