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Tiere im Wald

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Blindschleichen

Tiere, die auch nur entfernt schlangenähnlich aussehen und sich wie diese fortbewegen, haben seit jeher vielen Menschen Furcht eingejagt. Noch heute greifen darum einige von ihnen nach Steinen oder einem Stock, um die praktisch wehrlosen Tiere, seien es Schlangen oder Blindschleichen, totzuschlagen. Solches Tun ist verwerflich und zeugt von einer grossen Verständnislosigkeit.

Zum Namen

Blindschleichen sind farbenblind und können zudem verschiedene Graustufen nur schlecht voneinander unterscheiden, aber blind sind sie keineswegs. Schlafende und auch tote Blindschleichen haben mit zwei Lidern verschlossene Augen. Es ist denkbar, dass man darum auf den Gedanken kommen könnte, sie seien blind.

Der deutsche Name lässt sich vom althochdeutschen Wort «Plintslicho» herleiten, was soviel wie «blendender Schleicher» bedeutet. Die Bezeichnung nimmt Bezug auf die kupfer- und bleiglänzenden Färbungen der Körperoberseite und Körperunterseite. Plinte oder Blende sind Ausdrücke für metallische Minerale.

Zur Verwandtschaft

Der schlangenähnliche, langgestreckte und vollkommen beinlose Körper ist wahrscheinlich der Grund, warum die Blindschleiche gelegentlich als Schlangenart angesehen wird. Äusserlich unterscheiden sie sich etwa von einer Ringelnatter oder Kreuzotter durch die verschliessbaren Augen, durch die Möglichkeit, den Schwanz abzuwerfen und durch die gleichartigen Schuppen rund um den Körper. Ferner müssen sie zum Züngeln den Mund öffnen; sie können also die Zunge nicht durch eine Oberlippenaussparung hin und her gleiten lassen wie die Schlangen. Das Skelett weist noch winzig kleine Schulter- und Beckengürtelreste auf, die man aber von aussen nicht sieht und auch am frei präparierten Skelett sorgfältig suchen muss. Auf Grund all dieser und noch anderer Merkmale zählt man die Blindschleichen zu den Echsen. Sehen wir uns dazu folgende Verwandtschaftsverhältnisse an:

Unter den Skinken gibt es Tiere, die den Blindschleichen recht ähnlich sehen. Als ich der Johannisechse und dem Gefleckten Walzenskink auf Cypern zum ersten Mal begegnete, glaubte ich in den schnell schlängelnden Reptilien kleine Verwandte von Blindschleichen vor mir zu haben. Diese nur etwa 10 cm langen Skinke brauchen die äusserst zierlichen Gliedmassen kaum für die Fortbewegung. Andererseits gibt es amerikanische Schleichen, die vier wohl ausgebildete Gliedmassen besitzen und mit diesen auch gehen können.

Vorkommen und Lebensraum

Wir finden die Blindschleiche fast überall in Europa, auch noch weit im Norden Skandinaviens und im Gebirge bis auf 2400 m Höhe. Sie reicht im Süden bis nach Nordafrika, und im Osten belegt sie weite Teile Westasiens. Sie ist von allen europäischen Reptilien am weitesten verbreitet, möglicherweise, weil sie an ihren Lebensraum keine allzu grossen Anforderungen stellt. Sie liebt nicht zu helle und nicht zu trockene Orte. So entdecken wir sie in Wiesen, an Wald-rändern, im lichten Wald, aber auch in Gärten und Parkanlagen. Nicht selten benützt sie Komposthaufen, ab und zu auch Ameisenhaufen als Wärmestuben. Die Ameisen können der Blindschleiche nichts anhaben, denn die Bisse durch-dringen das zähe Schuppenhemd nicht, andererseits frisst die Blindschleiche auch keine Ameisen.

Tagesrhythmus und Nahrung

Die Tätigkeiten der Blindschleiche richten sich weitgehend nach dem Tagesrhythmus ihrer Hauptnahrungstiere. Wir finden sie aktiv am frühen Morgen von 5–10 Uhr und am Abend von 18–21 Uhr, wenn der Tau auch die Regenwürmer und Nacktschnecken zum Hervorkriechen veranlasst. Tagsüber halten sie sich zwischen Moos, unter Steinen, Rindenstücken, im dichten Gestrüpp und in ihren selbstgegrabenen oder übernommenen Erdgängen auf.

Blindschleichen sind nicht in der Lage, Beutetiere zu verfolgen, was ja bei ihrer Speisetafel auch gar nicht nötig ist. Die Fortbewegung erfolgt nach Schneckenart: Über den Bauch huschen, von hinten nach vorn, rasch aufeinanderfolgend kleine Wellen, ohne dass sich die Bauchschuppen aufstellen wie bei den Schlangen. Das zusätzliche Schlängeln wirkt steif, weil alle Schuppen mit dünnen Knochenplättchen unterlegt sind, welche die Bewegungsfreiheit stark einschränken. Ohne den Widerstand auf einer rauhen Bodenoberfläche, an Pflanzen oder Steinen ist diese Bewegungsart nicht möglich.

Die zugespitzten und nach hinten eingekrümmten Zähne ermöglichen der Blindschleiche das Festhalten schlüpfriger Beutetiere. Sie packt Regenwürmer denn auch ganz langsam in der Mitte ihres Körpers und kaut sie während Minuten bis zu den Enden durch. Bei langen Würmern dauert dieses Schauspiel bis zu einer halben Stunde. Nach der Mahlzeit wischt sie sich durch seitliche Bewegungen des Kopfes den Schleim an Pflanzen ab. Wenn Nacktschnecken und Regenwürmer während ausgesprochenen Trockenzeiten Mangelware sind, verzehrt die Blindschleiche Käfer und Heuschrecken. Man kann ihnen im Terrarium darum auch ohne weiteres Mehlwürmer geben. Sie sollen auch in der Lage sein, kleine Eidechsen oder gar ihresgleichen zu verschlucken.

Fortpflanzung und Entwicklung

Im April verlassen die Blindschleichen ihre Winterquartiere, und bald nachher paaren sie sich. Das Weibchen wird vom Männchen mit den Kiefern hinter dem Kopf gepackt und festgehalten, damit es etwas vor der Körpermitte eine Schlinge um die Partnerin legen kann. So kommen die Geschlechtsöffnungen aufeinander zu liegen.

Nach einer dreimonatigen Tragzeit legen die Weibchen in der Regel 8–12 schlüpfreife Eier. Die Jungtiere zerreissen unmittelbar nach der Ablage mit ihren Körperbewegungen die gallertigen, gelblich-durchsichtigen, dünnen Eihäute. Man zählt darum die Blindschleichen wie die Bergeidechse und die Vipern zu den lebendgebärenden Reptilien. Die geschlüpften Jungen sind bereits 6 cm lang und machen sich alsbald auf die Suche nach ganz kleinen Nacktschnecken. Mit der Zeit wird ihre anfänglich silberglänzende Oberseite braun, und die dunkle, fast schwarze Bauchseite wesentlich heller. Dazu sind allerdings mehrere Häutungen nötig; während der ersten drei Jahre bis zur Geschlechtsreife sind es deren 3–4 pro Jahr. Sie schieben die alte Haut zu ringartigen Wulsten zusammen und streifen sie nachher ab. Ausgewachsen erreichen die Blindschleichen eine Länge von 40–50 cm. Sie können in Gefangenschaft bei guter Pflege über 25 Jahre alt werden.

Den Winter verbringen sie in Gängen, die bis 70 cm tief in den Boden reichen. Meistens finden wir darin mehrere Individuen beieinander, nicht selten treffen wir sogar 20 und mehr. Ab und zu gehört einer solchen Überwinterungsgesellschaft auch ein Salamander, eine Kreuzotter oder eine Schlingnatter an. Die tiefen Umgebungs- und Körpertemperaturen lassen die Tiere friedlich nebeneinander schlafen.

Feinde und Verteidigungsmöglichkeiten

Die langsamen Blindschleichen haben viele Feinde. Neben Füchsen, Mardern, Dachsen, Igeln, Schlingnattern und Kreuzottern setzen ihnen auch eine Reihe von Vögeln zu, vorab die oft auf Blindschleichen geradezu spezialisierten Mäusebussarde. Der Hauptfeind dürfte aber nach wie vor der Mensch sein, sei es, weil er blind nach allen schlangenähnlichen Tieren schlägt, oder sei es, dass er die Nacktschnecken mit Schneckentodkörnern bekämpft. Die Hälfte der Beutetiere besteht nämlich aus Nacktschnecken, und die vergiftete Nahrung bringt ihnen den Tod.

Die Verteidigungsmöglichkeiten der Blindschleiche sind bescheiden. Sie kann kleinere Angreifer beissen und mit stinkigem Kot verschmieren. Gegenüber gefährlicheren Feinden nützt oft ihr wildes, zuckendes Herumschlagen mit dem ganzen Körper oder dann das Abwerfen des Schwanzes. In der mittleren Schwanzregion sind die Wirbelkörper in der Mitte nicht verknöchert, und einer davon bricht auseinander, wenn die Blindschleiche die Schwanzmuskulatur heftig zusammenzieht. Diese Wirbel enthalten also so etwas wie vorbereitete Bruchstellen. Der abgeworfene Teil kann fast die Hälfte des Tieres ausmachen. Er zappelt noch mindestens 20 Minuten lang äusserst heftig, währenddem sich die stark verkürzte Blindschleiche möglichst schnell davonmacht und sich dem verblüfften Angreifer entzieht. Die Fleischwunde blutet kaum und verheilt sehr rasch. Der Schwanz wächst nicht nach; es bildet sich nur ein kleiner, kegelartiger Abschlussstummel.

Blindschleichen treten nicht häufig in Erscheinung

Unterschiede gegenüber Schlangen

  • mit Lidern verschliessbare Augen
  • kann den Schwanz abwerfen
  • gleichartige Schuppen rund um den Körper
  • ungelenke Fortbewegungsart
  • keine Oberlippenaussparung für das Züngeln
  • kleine Reste von Schulter- und Beckengürteln

Paarung

Das Männchen hält mit seinen Kiefern das Weibchen hinter dem Kopf fest und umschlingt es dann knapp vor der Körpermitte, um die Paarung einleiten zu können.

Paarung

Aus der Kinderstube der Blindschleichen

Geburt

Nach 3 Monaten Tragzeit legen die Weibchen 8–12 Eier mit schlüpfreifen Jungen. Bisweilen platzen die gallertigen, dünnen Eihäute schon bei der Geburt. Im Innern einer intakt gebliebenen Eihülle erkennen wir zwischen dem aufgerollten Tier noch die Reste der Dottersubstanz. Noch nicht freie Tiere werfen ihren Kopf kräftig zur Seite und zerreissen damit ihre Hülle.

Geburt
Entwicklung

Frisch geschlüpfte Blindschleichen messen 6 cm, gehen sehr bald eigene Wege und suchen ganz kleine Nacktschnecken. Mit 3 Jahren sind sie geschlechtsreif. Ausgewachsen messen sie 40–50 cm und können in Gefangenschaft über 25 Jahre alt werden.

Die Zauneidechse, eine Sonnenanbeterin

Lebensweise

An warmen, sonnigen Frühlings- und Sommertagen können wir auf trockenen Hängen, Bahn- und Strassendämmen, aber auch an Wegrändern und auf Steinmäuerchen handlange, schlanke Tiere beobachten, welche sofort die Flucht ergreifen, wenn wir in ihre Nähe kommen: Eidechsen. Bei kühlem, nassem Wetter und während des ganzen Winterhalbjahres sind die wärme-liebenden Tiere von der Oberfläche verschwunden. Sie halten einen Winter-schlaf, dösen aber auch in sommerlichen Schlechtwetterperioden halb starr vor sich hin. Sie müssen ihre Körpertemperatur derjenigen der Umgebung anpassen; es sind also im Unterschied zu den gleichwarmen Säugern und Vögeln wechselwarme Tiere wie die Schlangen und Amphibien. Die Haut der Eidechsen hat keinerlei Vorrichtungen, wie etwa Haare oder Federn, mit denen Körperwärme aufgestaut werden könnte. Die glatten Hornschuppen schützen den Körper wohl vor Austrocknung und Verletzungen, nicht aber vor Wärmeverlust. In der Kälte geht es ihnen wie unseren ungeschützten Fingern an kalten Wintertagen: sie verlieren die Kraft, werden steif und wie leblos. In der Sonne aber nimmt die Eidechse die Wärmestrahlung rasch auf, wird heissblütig und äusserst temperamentvoll.

Aussehen

In der Nordostschweiz treffen wir am häufigsten die Zauneidechse. Ausgewachsen erreicht sie eine Länge von 20 cm. Beide Geschlechter besitzen auf dem Rücken ein braunes, geflecktes Band. Im Frühjahr tragen die Männchen leuchtend hellgrüne Flanken zur Schau, währenddem die Weibchen mit einem hellbraunen, weit weniger auffälligen Kleid erscheinen. Die Unterseite ist bei beiden Geschlechtern heller.

Selbstverstümmelung

Im Vergleich zu den in der Südschweiz häufig vorkommenden Mauer- und Smaragdeidechsen ist die Zauneidechse weder besonders scheu noch besonders flink. So lässt sie sich auch verhältnismässig leicht von Hand fangen. Man hüte sich aber, sie am Schwanzende anzufassen. Wie jede andere Eidechse kann sie durch Selbstamputation den Schwanz abwerfen und sich aus dem Staube machen. Vom sechsten Schwanzwirbel an hat jeder Wirbelkörper eine vorgebildete Bruchstelle, entsprechende Schwächestellen liegen auch im Bindegewebe und in der Muskulatur, so dass durch ein kräftiges Zusammenziehen der Ringmuskeln des betreffenden Abschnittes der dahinterliegende Schwanzteil abgetrennt werden kann. Noch lange zappelt dann das herrenlose Schwanzstück hin und her. Der Angreifer und Verfolger wird so genarrt, und die verstümmelte Eidechse kann sich in Sicherheit bringen.

Der fehlende Schwanzteil wird teilweise (bei Jungtieren praktisch ganz) erneuert. Das Stützelement ist jedoch nur noch ein ungegliederter Knorpelstab, der nicht mehr brechen kann.

Nahrung

Die Zauneidechsen fressen u.a. Würmer, Schnecken, Insekten, Spinnen. Die geschnappte Beute wird mit den vielen spitzen Zähnen festgehalten und unzerkaut verschluckt. Ab und zu bekommen ihnen die hastig verschlungenen Tiere nicht, dann erbrechen sie die ganze Tagesbeute mit krampfartigen Bewegungen. Man findet gelegentlich kaum verdaute, fingergrosse Würste zusammengepresster Heuschrecken.

Rivalenkämpfe

Während der Paarungszeit im Frühling können wir ab und zu Rivalenkämpfe unter Männchen beobachten. Sie beginnen mit der katzenbuckelartigen Imponierstellung. Dann richten die Tiere Vorderbeine und -körper auf, senken den Kopf und krümmen den Nacken. In dieser steifen Haltung nähert sich ein Männchen dem andern. Anschliessend gestattet einer der Rivalen, dass ihn der andere am Nacken packt. Das tun sie dann abwechselnd, bis einer spürt, dass ihm der andere überlegen ist. Er erkennt das wahrscheinlich am festen Zugriff seines Partners. Der Verlierer unterwirft sich in recht eigenartiger Weise. Er legt sich zunächst flach auf den Boden, trampelt dann an Ort und Stelle und läuft schliesslich davon. Der Rivalenkampf gleicht einem Turnier, es gibt keinen Toten oder Verletzten, nur einen Besiegten.

Paarung

Das Paarungsverhalten des Männchens gleicht teilweise dem Rivalenkampf-verhalten. Zunächst nähert sich das Männchen dem auserkorenen Weibchen in einer ähnlichen, ebenso gebuckelten Haltung. So erkennt das Weibchen die Absicht seines Partners. Ist es bereit, den Antrag anzunehmen, so bleibt es stehen und fordert damit den Heiratslustigen auf, sein Werbespiel fortzusetzen. Das Männchen packt nun mit den Kiefern den Schwanz des Weibchens, was diesem scheinbar nicht ganz passt, denn es leistet – «wohl nur der Form halber?» – einen geringfügigen Widerstand. Schliesslich beisst sich das Männchen am Rücken seiner Partnerin fest. Diese hebt den Vorderteil des Schwanzes und ermöglicht so die Paarung.

Eiablage und Entwicklung

Das Weibchen legt die 6–14 Eier erst Tage nach der Paarung in warme, etwas feuchte, vielfach vorher mit den Vorderbeinen ausgegrabene Löcher ab. Die Schale der 1.5 cm langen, weissen Eier ist pergamentartig weich. Die Eidechsenkinder schlüpfen 7–8 Wochen später aus. Der Zeitpunkt hängt stark von den örtlichen Temperaturverhältnissen ab. Die Mutter kümmert sich nach der Eiablage weder um ihre Eier, noch später um ihre geschlüpften Kinder. Die Jungen haben und wissen sich selbst durchs Leben zu schlagen. Nach einigen wenigen Jahren erreichen die Überlebenden die Grösse ihrer Eltern.

Eidechsen der Alpennordseite

Zauneidechse (Männchen)

20–24 cm lang; kurzbeinig, eher gedrungen; kurzer, niederer Kopf; auf der Rückenmitte braunes Band mit hellen Flecken; Männchen im Frühjahr mit leuchtend grünen Flanken; Weibchen grau oder braun.

Wald- oder Bergeidechse

16–18 cm lang; kurzbeinig; kleiner, ziemlich runder Kopf; Oberseite grau bis rötlich oder dunkelbraun, oft mit kleinen hellen oder dunklen Flecken; Männchenunterseite orange bis rot mit schwarzen Punkten; Weibchenunterseite weiss bis rosa ohne Flecken. Steigt bis auf 3000 m; ist vivipar.

Mauereidechse (kommt im Wald nicht vor)

18 cm lang; sehr schlank; abgeflachter Körper; langer Schwanz; Oberseite meist bräunlich oder grau, Männchen mit netzartigen Flecken, Weibchen mit hellgesäumtem, dunklem Längsband auf den Körperseiten. In trockenem, warmem Gelände, bis auf 1700 m. Häufig nur auf der Alpensüdseite.

Eigenheiten des Körperbaues und der Fortbewegung

Selbstverstümmelung

Vom sechsten Schwanzwirbel an hat jeder Wirbelkörper eine vorgebildete Bruchstelle. Entsprechende Schwächestellen liegen auch im Bindegewebe und in der Muskulatur, so dass durch kräftiges Zusammenziehen der Muskeln eines bestimmten Abschnittes der dahinterliegende Schwanzteil abgetrennt werden kann.

Die Fortbewegungsart der Eidechsen heisst Schubkriechen

Die seitlich abstehenden Eidechsenbeine können den Körper kaum tragen, darum rutscht das Tier auch mehr oder weniger auf dem Bauch. Die Wirbelsäule biegt sich s-förmig abwechselnd nach links und nach rechts, und die Beine schieben den Körper nach. Die Schreitbewegungen verlaufen wie folgt: linkes Vorder- und rechtes Hinterbein, dann rechtes Vorder- und linkes Hinterbein.

Die Schlingnatter – ein seltener Bewohner sonniger Waldränder und warmer Trockenwiesen

Schutz

Es ist nicht einfach, diese harmlose und ungiftige Schlange aufspüren und beobachten zu können. Das hat mehrere Gründe. Einmal haben die vielen Strassen, die grossen Überbauungen und die intensive landwirtschaftliche Nutzung des noch verbleibenden und geeigneten Bodens den ursprünglichen Lebensraum vieler Tiere arg beschnitten. Dann tummeln sich in den Restflecken der freien Natur an sonnigen Tagen mancherorts so viele Menschen, dass die ruheliebenden Tiere – und zu ihnen gehören die Schlangen – gestört und vertrieben werden. Schliesslich leiden gerade die Schlangen noch immer unter der blinden Verfolgungswut uneinsichtiger Mitmenschen, die eigentlich gar nicht wissen, was sie tun, wenn sie diese Kriechtiere totschlagen.

Die drohende Gefahr der Ausrottung gewisser Tierarten führte im Jahr 1967 zum Bundesgesetz des totalen Schutzes aller in der Schweiz lebenden Kriechtiere, Amphibien, Fledermäuse und Roten Waldameisen. Diese dringend nötige Massnahme nützt aber nur etwas, wenn gleichzeitig auch die Lebensräume der seltenen Tiere erhalten und geschützt werden. Und da gibt es noch viel zu tun.

Lebensraum und Lebensgewohnheiten

Die scheue Schlingnatter lebt vor allem dort, wo sie durch die Menschen wenig gestört wird. So finden wir sie noch in sonnenlichtdurchfluteten Schneisen und Lichtungen unserer Wälder, an warmen Waldrändern, nicht selten auch an Böschungen und in stillgelegten Steinbrüchen und Kiesgruben. Sie braucht neben Ruhe und Wärme vor allem auch die richtigen Beutetiere, und das sind in erster Linie Zaun- und Bergeidechsen, Blindschleichen, ab und zu auch kleinere Kreuzottern und Vipern, also Giftschlangen, selten auch junge Mäuse und Jungvögel.

Das mit kiellosen, glatten Schuppen bedeckte Schlänglein erreicht eine Länge von wenig mehr als einem halben Meter. Sein silbergraues oder braunes Kleid tarnt vorzüglich. Die Schlingnatter weiss das offensichtlich, denn sie bleibt auch dann auf ihrem Sonnenplatz liegen, wenn der Mensch nahe an ihr vorbeigeht. Sie gleicht also so dem von ihr ausgewählten Untergrund, dass man sie selten entdeckt. Will man aber nach ihr greifen und bleibt ihr keine Möglichkeit mehr zur Flucht, so wehrt sie sich recht eindrucksvoll. Sie biegt den Kopf und Hals zurück, zischt und stösst vor, um zu beissen. Neben der Zornnatter ist sie wohl die bissigste Schlange unseres Landes. Ihre winzigen Zähne vermögen jedoch unsere Haut kaum zu durchdringen.

Das ruhige Ausharren an Ort bringt der Schlingnatter auch beim Beutefang Vorteile. Die äusserst aufmerksamen und schnellen Eidechsen können ja nicht verfolgt, sondern müssen durch einen überraschenden Zugriff überwältigt werden, wenn sie zufälligerweise in die Nähe einer hungrigen Schlingnatter kommen. Die einmal gepackte Beute wird dann mit zwei bis drei Windungen umschlungen und wenn immer möglich erdrosselt. Diese Gewohnheit gab der Schlange den Namen.

Ab und zu finden wir einmal eine Schlingnatter mit einer ausgesprochen starken Zeichnung, die vielleicht sogar zickzackartig über den Rücken verläuft. Wenn wir dann nicht auf die für die Schlingnatter typischen Merkmale, die glatten, ungekielten Schuppen, die runde Pupille und auf das durch das Auge verlaufende, waagrechte, braune Band achten, so ist eine Verwechslung mit der giftigen Kreuzotter möglich.

Paarung und Wochenstube

Die Paarungszeit liegt im Mai. Das Männchen packt sein Weibchen mit dem Maul hinter dem Kopf und umschlingt es mit einigen Windungen. Es sieht fast aus, als betrachte das Männchen sein Weibchen als Beutetier. Niemals sind aber Biss und Schlingen so stark, dass Verletzungen entstehen. Im August bringt dann die Schlangenmutter ihre 12–18 Kinder zur Welt. Die Schlingnatter legt als einzige der ungiftigen Schlangen nämlich keine Eier, sondern trägt ihre Jungen aus wie die giftigen Kreuzottern und Vipern. Eine Schlingnatterwochenstube ist ein reizendes Schauspiel: In feinste Häutchen verpackt, gelangen die Jungen einzeln ans Tageslicht. Mit ruckartigen Bewegungen öffnen sich die bläulich durch die Eihäute schimmernden Schlänglein den Weg in die Welt. Sie sind nur wenig dicker als ein Zündholz und knapp 12 cm lang, züngeln bereits und gleichen in der Zeichnung schon deutlich ihren Eltern. Jahre vergehen, bis die wenigen Überlebenden dieser Kinder erwachsen sind. Ohne Unglücksfall kann dann eine Schlingnatter etwa 15 Jahre alt werden.

Sehen, Hören, Riechen

Obwohl die Schlange schlechte Augen, überhaupt keine Ohren und nur eine verkümmerte Nase hat, entgeht ihr auch die leiseste Bewegung in ihrer Umgebung nicht. Sie spürt den nahenden Tritt der Menschen mit Hilfe des hochentwickelten Sinnes für die Wahrnehmung von Bodenerschütterungen, einer Art Tastsinn, und unterscheidet ihre Beutetiere durch eine besondere Art der Geruchswahrnehmung. Die Schlangen brauchen nämlich ihre Zunge nicht wie wir zum Schmecken, sondern vor allem als Geruchsorgan. Wir verstehen jetzt, warum wir sie meistens züngelnd sehen. Die lange, zweigeteilte Zunge flackert vor allem bei erregten Schlangen wild in der Luft herum, schlägt nach oben und weicht immer wieder durch das eigens dafür ausgesparte Loch zwischen den fest geschlossenen Kiefern in die Mundhöhle zurück. Die heftige Tätigkeit der Schlangenzunge zeigt nicht nur den Grad der Erregung; an der feuchten Oberfläche bleiben feinste Geruchsteile der zu untersuchenden Luft haften, die in die Mundhöhle zurückgezogen werden. Nicht sichtbar für uns ist der nun folgende Vorgang: Die beiden haarfeinen Zungenspitzen greifen durch zwei kleine Löcher im Gaumendach ins eigentliche Riechorgan und laden dort die Duftpartikelchen ab. Hier sitzen Sinneszellen, die diese Duftstoffe untersuchen, und Nervenbahnen leiten den Befund ins Gehirn weiter, das dann entsprechend reagieren kann.

Wachstum und Hautwechsel

Die Schlange kann nur wachsen, wenn sie das mit der Zeit zu eng gewordene Kleid ausziehen kann. Das ist nur während der warmen Jahreszeit möglich und geschieht bei jungen Schlangen fünf- bis sechsmal im Verlaufe eines Sommers. Auch erwachsene Schlangen brauchen ab und zu ein neues Kleid; sie häuten sich aber während der gleichen Zeit nur noch ein- bis zweimal. Wachstum und Hautwechsel sind also stark von der Aussentemperatur abhängig. Bei kühlem Wetter hungern sie wochenlang. Eigenartigerweise verlieren sie dabei praktisch kein Gewicht. Sie haben aber dann auch kein Bedürfnis, sich zu häuten.

Sehen wir uns diesen interessanten Vorgang nun einmal an. Er wird eingeleitet, indem sich zwischen die äussere, abzustossende und die neue, darunterliegende Haut eine schleimige Flüssigkeit ergiesst. Die Aussenhaut weicht sich auf und löst sich ab. Am besten sehen wir die milchige Flüssigkeit zwischen den beiden die Augen bedeckenden Häuten, den zusammengewachsenen, durchsichtigen Augenlidern. Mit den blaugrau getrübten Augen ist die Schlange praktisch blind und darum in ihrer Unsicherheit äusserst angriffslustig. Nach Tagen oder Wochen werden die Augen wieder klar, ein Zeichen dafür, dass die eigentliche Häutung unmittelbar bevorsteht. Jetzt kriecht sie nervös umher, stösst wie betrunken an allerhand Erdvorsprünge, Steine, Zweige und Wurzeln, um die alte Haut an der Schnauzenspitze aufzustossen. Bald legen sich die vordersten Hautränder über den Kopf zurück, und die Schlange entledigt sich ihres alten Kleides, wie wir in der Hast enge Strümpfe auszuziehen pflegen. Vor uns liegt das frisch gehäutete Tier in seinem neuen Sonntagskleid. Es liebt das Leben wie wir Menschen. Gönnen wir es ihm, noch mehr, versuchen wir, auch unsere Schlangen zu achten!

2012 endeckte René Bertiller bei Natuschutzarbeiten am Südhang des Beerenberges eine Schlingnatter. Sie lebt also noch auf Winterhurer Boden!

Lebensraum, Beutetiere und besondere Merkmale der Schlingnatter

Lebensraum

Warme, ungestörte Orte, wo auch die richtigen Beutetiere vorkommen:

  • Böschungen und Trockenwiesen
  • warme Waldränder, sonnige Waldlichtungen und Schneisen
  • stillgelegte Steinbrüche und Kiesgruben. Selten!
Beutetiere

Eidechsen, Blindschleichen, junge Mäuse, Jungvögel, auch kleine Kreuzottern und Aspisvipern. Die Schlingnatter beisst die Beutetiere (ohne Gift) und versucht sie dann durch Umschlingen zu erdrosseln.

Besondere Merkmale

Zierliche, schlanke, ungiftige, bissige, aber harmlose Schlange von ungefähr 50 cm Länge. Gleich lang sind auch unsere beiden giftigen Schlangen, Verwechslungen sind also durchaus möglich.

Vom Sehen, Hören und Riechen der Schlangen

  1. Schlangen haben schlechte Augen, keine Ohren und auch eine verkümmerte Nase, dafür einen sehr hochentwickelten Sinn für die Wahrnehmung von Erschütterungen und eine besondere Art der Geruchswahrnehmung.
  2. Sie «züngeln» oft und schnell und bringen so viele Duftteile, die an den feinen Zungenspitzen haften bleiben, durch zwei kleine Löcher im Gaumendach ins eigentliche Geruchsorgan.
    G Gaumengruben = Geruchsorgan
    N Einmündung der Nasengänge
    K Kehlkopf mit Luftröhreneingang
  3. Die Augenlider sind durchsichtig, aber starr und miteinander verwachsen.Die Schlangen leiten die Häutung ein, indem sie mit einer milchigen Flüssigkeit die alte Haut von der darunterliegenden, neuen ablösen. Die gleiche Flüssigkeit schiebt sich auch zwischen die alten und neuen Augenlider und macht die Schlange während dieser Zeit praktisch blind. In ihrer Unsicherheit reagiert sie dann bei kleinsten Störungen sehr aggressiv.
Jakob Forster

Von Jakob Forster

Jakob Forster hat an der Universität Zürich Biologie für angehende Sekundar- und Bezirkslehrer unterrichtet. Er erhielt 1976 den Kulturpreis der Stadt Winterthur und ist seit 1982 Mitglied der Naturschutzkommission der Stadt Winterthur.

Eine Antwort auf „Tiere im Wald“

Weibchen mit einem Gewicht von unter 500g sind in einer äusserst schlechten Kondition. Somit würde ich das Gewicht in der Tabelle anpassen.

Ein Aufsuchen eines Nistplatzes ist nicht nur äusserst gefährlich, sondern auch von Gesetzes wegen verboten und sollte deshalb hier nicht erwähnt werden.

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