Grasfroschpaar im Seemer Tobel
Tiere

Wo du jetzt dem Grasfrosch begegnen wirst

Am vergangenen Wochenende war es soweit: Mit dem Einsetzen des Tauwetters begann die Frühjahrswanderung. Jetzt kennt der Grasfrosch nur noch ein Ziel – den Weiher in Wald und Feld. Sein Laichgewässer, stehend oder leicht fliessend.

Schon in der ersten Februarhälfte hatten sich die ersten Grasfrösche auf den Weg gemacht. Die «Russische Kältepeitsche» in der zweiten Februarhälfte hat sie abrupt gestoppt.

Seit einigen Tagen nun ist der Grasfrosch endgültig unterwegs. Jetzt hüpft und quakt er wieder, raschelt und duckt sich. Einsam oder auch zu zweit. Am liebsten als Huckepack. Das grössere Weibchen unten, das kleinere Männchen oben. Sie mit rot-gelb marmoriertem Bauch, er mit weiss-grauem Bauch und kräftigen Vorderbeinen. Die braucht er, um sich ans Weibchen zu klammern und sich festzuhalten. Bis zu 2500 Eier legt das Weibchen und verliert so einen Drittel seines Körpergewichts.

Grasfroschpaar im Seemer Tobel
Grasfroschpaar im Seemer Tobel

Die Laichballen bilden an stellenweise richtige Laichteppiche. Nach zwei bis drei Wochen schlüpfen die Larven. Sie wachsen zur Kaulquappe heran und zum Forsch. Ende Juni verlassen die Jungfrösche zu Tausenden ihre Geburtsstätte. Um drei Jahre später wieder hierher zurückzukehren.

Die durchsichtigen, gallertartigen Hüllen bündeln die wärmenden Sonnenstrahlen wie ein Vergrösserungsglas und beschleunigen so die Entwicklung der Eier.

Rana temporaria, wie er auf Lateinisch heisst, ist «Lurch des Jahres» 2018. Plump in seiner Gestalt, kurz und stumpf seine Schnauze. Er taucht in unterschiedlichsten Farben und Zeichnungen auf: braun, gelblich, rötlich oder fast schwarz. Nur ein richtiges Grün fehlt dem Grasfrosch.

Dem Grasfrosch kann man jetzt an vielen Orten in Winterthur begegnen: Vom Amelenberg und Bruderhaus über das Häsental bei Sennhof und den Chomberg bis zur Lehmgrube Dättnau und zum Sädelrain bei Oberseen. Überall dort, wo es Weiher oder Tümpel gibt: im Wald, auf Wiesen und Feldern oder in Kiesgruben. Wenn du dem Grasfrosch begegnen willst, musst du aber jetzt losziehen. Der Höhepunkt der Grasfrosch-Frühjahrswanderungen ist nämlich schon fast wieder vorbei.

Weitere Informationen

  • Amphibienarten der Schweiz | Zusammenstellung und Beschreibung der Amphibienarten der Schweiz durch die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch).
  • Froschnetz | Zahlreiche Informationen über Biologie, Lebensräume und Gefährdung von Fröschen, Kröten, Molchen und andere Amphibien der Schweiz. Ein Arten-Katalog mit ausführlichen Beschreibungen ergänzt das umfassende Angebot.
  • Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz | Die Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (karch) ist Auskunfts- und Dokumentationsstelle für nationale, kantonale und kommunale Ämter, für Naturschutzorganisationen und für Privatpersonen.
  • Rote Liste der gefährdeten Arten der Schweiz: Amphibien | Von den 20 Amphibienarten der Schweiz stehen 14 auf der Roten Liste, und eine Art, der Wasserfrosch, ist potenziell gefährdet.

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Michael Wiesner ist Biologe. Er hat an der ETH Zürich Naturwissenschaften studiert und in der Fachrichtung Geobotanik bei Prof. Dr. Elias Landolt abgeschlossen. Seine Beiträge finden sich auch auf Facebook, auf Twitter, auf Flickr, auf Vimeo und auf Youtube.

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